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Warten kann für den Ungeduldigen eine Qual sein. Gudruns Mutter hat warten gelernt. Warten bedeutet für sie: hoffen. Und die Hoffnung gibt ihr Kraft, sich und das Kind durchzubringen. Gudrun ist am 22. Február vier Jahre alt geworden. Sie hat keine Vorstellung von russischer Kriegsgefangenschaft und der Schwierigkeit, am Leben zu bleiben. Sie spielt mit ihren kleinen Freunden Rudi und Klaus „Krieg", ballert gekonnt mit einer imagináren Maschinenpistole aus der Hüfte heraus. Die Váter von Rudi und Klaus sind gefallen. Ihre Söhne stehen wieder auf, wenn man bis fünf zahlt. Gudrun muS oft záhlen. Die Mutter arbeitet bei einem Bauern im Dorf. Sie richtet Ahrenhucken auf oder wendet Heu; hackt mit schmerzendem Rücken Kartoffeln, Furche um Furche; schichtet welkes Kraut auf und verbrennt es; hilft beim Dreschen und Stallausmisten, Játén und Ernten. Es sind ungewohnte Verrichtungen. Man sieht es an den Schwielen, die sich an Hánden und Füfíen gebildet habén. Das Dorf ist unzerstört und schön. Vom kleinen Bahnhof aus erreicht man es über eine steile, obstbaumgesáumte Landstrafíe. Für die müde, hungrige Frau mit Baby, Rucksack und Koffer ist diese Strafíe vor drei Jahren eine Strapaze gewesen. Ein steiler Weg in eine unbekannte Zukunft. Es ist ein nordpfálzisches Dorf. In vierhundert Metern Höhe herrscht ein anderes Klima, als es die junge Frau aus der Rheinebene gewohnt war. Ein kleiner Bach entspringt in der Náhe, speist die umliegenden Wiesen und Felder und mündet spáter in den Glan. So wenig Wasser im Vergleich zu Altrheinarmen, Seen und dem grófién Flufi. Keine Bőmbe ist auf dieses Dorf gefallen. Doch die Einwohner beherbergen die evakuierten Frauen und