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Schutz der bedrohten Tierwelt
Die Gefährdung der Arten
Das Anwachsen der Bevölkerungszahl unserer Erde, die sich daraus ergebende Zunahme der Bevölkerungsdichte bereits bewohnter und die Inanspruchnahme bisher von menschlicher Zivilisation unberührter Räume und Landschaften schränken die Daseinsbedingungen der Tiere zwangsläufig ein. Die fortschreitende Technisierung und Industrialisierung der Welt, die sich ausweitende Erschließung des Bodens für land- und forstwirtschaftliche Nutzung und die weltumspannende Verdichtung des Verkehrsnetzes und noch vieles andere mehr sind Faktoren, die tiefgreifende Veränderungen auch in den natürlichen Lebensräumen der Tiere bewirken.
Von den Folgen dieser Entwicklung sind die Raubtiere weltweit in besonders starkem Maße betroffen. Sie beanspruchen meist weite ungestörte Territorien, in denen ihnen eine artgemäße und individuenreiche Beutefauna zur Verfugung steht. Der Generaldirektor der Internationalen Naturschutzunion (International Union for the Conservation of Nature und Natural Resources - lUCN), Dr. Kenton, wies in einer Grußbotschaft an eine Tagung der Spezialistengruppe Katzen daraufhin, daß gerade die Fehden empfindliche Indikatoren des Gesundheitszustandes einer natürlichen Umwelt sind, da sie nur auf einer gesicherten Basis von Beutetieren existieren können, die ihrerseits wiederum von Wasser und ausreichender Vegetation abhängig sind.
Die vielerorts bereits bedrohlich gewordene Lage der großen Raubtiere erfordert gut überlegte, aber gleichzeitig schnell einzuleitende und entschlossen durchzuführende Maßnahmen zur Arterhaltung. Dabei sind natürlich eine Reihe von Problemen technischer und ökonomischer Art zu bewältigen und Fragen nach Ursache und Wirkung auf wissenschaftlicher Grundlage eindeutig zu klären. Doch häufig trifft allein verantwortungslos handelnde Menschen die Schuld an der Ausrottung einer Tierart, denn ohne Zwang und wider alle Vernunft werden aus bloßer Jagdgier oder Trophäensucht, der schönen Felle, der Zähne oder Krallen wegen unzählige Tiere blindwütig abgeschossen. So finden wir z.B. im
Jahrbuch des Weltnaturschutzes 1975 die großen Tigerjagden erwähnt, die früher in Indien stattfanden. Ein jagdbesessener Maharadscha rühmte sich, in seinem Leben 1150 Tiger erschossen zu haben.
Besonders begehrt waren die Felle einiger Katzenarten. Dienten sie anfangs nur zum Schutz vor Kälte oder lästigen Insekten, zur Ausstattung der Lager- und Liegestätten, gewannen sie später auch Bedeutung als schmückendes Element und als Zeichen der Rangstellung ihres Trägers. Solange die Felle nur zum persönlichen Erwerb und zur persönlichen Verarbeitung und Verwendung in Anspruch genommen wurden, bedeutete das keine Gefahr für die Existenz der Tiere. Mit dem Entstehen eines internationalen Pelzhandels und der Entwicklung einer entsprechenden Verarbeitungsindustrie wurde der Bedarf aber immer größer, so daß in schnell zunehmendem Maße die Tierarten, deren Haarkleid als besonders begehrenswert galt, in ihrem Bestand immer weiter zurückgingen. Hierzu zählten an vorderster Stelle die gefleckten Katzen. Einige Zahlenangaben, die dem Jahrbuch des Weltnaturschutzes 1979 und dem Pelztieratlas 1986 entnommen sind, zeigen dies in drastischer Weise: Im Jahre 1968 importierten allein die USA 13516 Felle vom Jaguar und 9556 Felle vom Leoparden, 1969 waren es 133069 Felle vom Ozelot und 1885 Felle vom Gepard. In Kanada wurden 1971 bis 1972 53589 Felle vom Luchs und 3842 Felle vom Rotluchs erfaßt.
Erst als mehrere Arten dem Aussterben nahe waren, erließen einige Erzeuger- und Verbraucherländer unter dem Eindruck dieser Entwicklung Ein- und Ausfuhr- sowie Verarbeitungsbeschränkungen. Doch noch immer bildet der Schwarzhandel mit Fellen und Trophäen an vielen Orten der Welt eine große Gefahr für die wilden Katzen. Dabei wäre ein totaler Verzicht auf die Verwendung von Wildtierfellen zumutbar, stehen doch Produkte aus der Haustierhaltung und der Farmhaltung wie auch synthetische »Pelze« als guter Ersatz und Ausgleich zur Verfugung. So wurden z.B. im Jahr 1981 10 Millionen Persianerfelle und 20 Millionen Nerzfelle erzeugt. Auch Kunstpelz ist strapazierfähig, leicht und preiswert und kann in den verschiedensten Farben und Mustern hergestellt werden.
Heute sind der Abschuß von Tigern und der Handel mit Leoparden- und Tigerfellen in Indien verboten, und die indische Regierung hat in einer »Operation Tiger« gemeinsam mit dem World Wildlife Fund im Jahre 1972 den Schutz der gestreiften Großkatze und die Erhaltung ihres natürlichen Lebensraumes in Angriffge-nommen. In 15 ausgewiesenen Reservaten mit einer Gesamtfläche