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Das Kirchenjahr »Du krönst das Jahr mit deiner Güte« Viele wache Christen machen sich Gedanken über die Zukunft des Glaubens und der Kirche. Wird die kommende Generation in den Glauben hineinwachsen, oder wird sie mit ihm brechen? Es gibt dafür besorgniserregende Anzeichen. Der Glaubensweg ist für jeden einzelnen Christen beschwerlich geworden. Aufier den Fügungen des eigenen Lebens und der Last des Alltags, die er im Glauben anzunehmen und zu tragen hat, mufi er im dichten, kalten Nebel der Diesseitigkeit und Gleichgültigkeit ringsum immer neu den Mut aufbringen, anders zu sein, sich nicht anzupassen. Wie wird der Glaube genáhrt, gestárkt, gefestigt, um in all dem zu bestehen? Was eigentlich ist der Glaube, woher kommt er? Der Glaube ist keine Ideologie, die wir uns selbst in den Kopf setzen! Der Glaube ist Antwort auf die zuvorkommende Tat Gottes: die Offenbaxung seiner unbegreiflichen Liebe zu uns. Die Liebe des dreieinigen Gottes hat Gestalt angenommen im Leben, im Sterben und Auferstehen Jesu Christi. Glaube ist Antwort auf diese Liebe. Wenn ich alsó von den Ereignissen des Lebens Jesu zuinnerstbetroffenbin, wenn ich versuche, danachmein Leben zu orientieren, wird am sichersten mein Glaube erwachen und erstarken. Einzigartigen Zugang zu den Geheimnissen des Lebens Jesu schenkt das Kiichenjahr. Darin liegt sein tiefer Sinn: Es ist das Gedáchtnis dei Eilösung. In diesem feiernden Gedenken werden die Mysterien des Lebens Jesu Christi, in dem Gottes Liebe offenbar geworden ist, für uns gegenwártig; bei Jesu Heimkehr zum Vater hat er die S einen námlich nicht verwaist zurückgelassen, er ist in neuer Weise, in der Kraft des Heiligen Geistes bei uns bis ans Ende der Zeit. Dieses dankbare Gedáchtnis der Heilstaten Gottes im Jahr der Kirche ist eingefügt in den natürlichen Jahresrhythmus, Geist und Herz und Sinne ansprechend. So begangen, wird das Kirchenj ahr eine Schule des Glaubens, die sich nicht mit blofíer Belehrung zufrieden gibt, sondern sich zu festlichen Höhepunkten, zum Beten, Danken und Preisen erhebt. Was man sich dankend, lobpreisend, feiernd aneignet, hat - wie das in Schmerzen Geborene - tiefe Wurzeln. Das Kirchenjahr ist ein Meisterwerk ganzheitlicher und wirkungsvoller Pádagogik. Die Frömmigkeit des Kirchenjahres, der Reichtum der Kunst und des Brauchtums, den es hervorbrachte, sind geradezuUrsprung christlich-abendlándischer Kultur geworden. Hoch zu schátzen ist auch die ökumenische Bedeutung des Kirchenjahres. Es ist ein Hoff4 nungszeichen und ein Zeugnis vor der ganzen Welt, dafí die Christen die zentralen Geheimnisse des Glaubens zeitlich gemeinsam feiern. Dieses Buch kann nicht eine vollstándige Darstellung des Kirchenjahres bieten. Durch Texte der Heiligen Schrift, die in der Liturgie einen hervorragenden Platz habén, durch Gebete und Meditationen, besonders aber auch durch die Zeugnisse hoher Kunst, die es wiedergibt, möchte das Buch anregen, diesen bewáhrten Weg des Glaubens in neuer Zuversicht mitzugehen. Es werden gesegnete Jahre sein! »Das liturgische Jahr erscheint nicht als eine kalte, leblose Darstellung oder als blofie Erinnerung an Ereignisse aus früherer Zeit. Nein, es ist Christus selbst, der in seiner Kirche weiterlebt, und zwar in den Geheimnissen, die dauernd gegenwártig sind und wirken.« (Enzyklika »Mediator Dei«) Das Kirchenjahr wurde nicht an einem Schreibtisch geplant, es wuchs in den Erfahrungen des Feierns durch Jahrhunderte zu seiner heutigen Gestalt heran. Die Urzelle bildet die Eucharistiefeier am Herrentag, dem Sonntag, dem ersten Tag der Woche. Die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn gibt diesem Tag Glanz und Freude. Dieses »Wochenostern« wurde schon bald zum Jahresgedenken, dem jáhrlichen Osterfest mit der Feier der nachösterlichen Fünf zig Tage, abgeschlossen durch Christi Himmelf ahrt und Pf ingsten. Hinzu kam dann die vierzigtágige Vorbereitungszeit auf Ostern, die österliche Bufizeit; die österliche Feier selbst gliederte sich in die Heiligen Drei Tage: Karfreitag (beginnend mit der Abendmahlfeier am Gründonnerstag), Karsamstag, Ostersonntag. Damit war das Grundelement des Kirchenjahres, der österliche Festkreis, ausgebildet. Im 4. Jahrhundert nahm mit den Festen Weihnachten und Epiphanie der zweite Festkreis Gestalt an, der das Geheimnis der Menschwerdung Gottes zum Inhalt hat und ebenfalls eine Vorbereitungszeit, den Advent, und eine Nachfeier ausformte. Schon im 2. Jahrhundert wurden die Gedenktage der Martyrer, der Zeugen des österlichen Mysteriums, gefeiert; sodann das Gedáchtnis der Gottesmutter, die untrennbar mit dem Werk ihres Sohnes verbunden ist, und das Gedenken der anderen Heiligen. So entstand das Kirchenjahr in seiner heutigen Gestalt: der Osterfestkreis vom Aschermittwoch bis Pfingstsonntag, der Weihnachtsfestkieis vom ersten Adventssonntag bis zum Sonntag nach Erscheinung, und die übrigen 33 bzw. 34 Wochen als Zeit im fahieskreis. Quelle und Gipfel gláubigen christlichen Lebens ist - wie das Werden des Kirchenjahres zeigt - seit je die Eucharistiefeier am Sonntag.