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VORWORT
Fritz Rienecker hatte sich als Herausgeber der Studienbibel die Auslegung des Johannesevangeliums besonders vorbehalten und mit großer Freude die Arbeit daran begonnen. Da setzte der Herr unerwartet seinem Wirken ein Ende. Seinem Andenken soll dieser Band gewidmet sein.
Nun habe ich die Arbeit übernommen. Mancher wird gerade beim Johannesevangelium die Auseinandersetzung mit andern Auslegern erwarten. Ich habe sie aber bewußt vermieden. Eine solche Auseinandersetzung muß gründlich sein, wenn sie überhaupt Wert haben soll. Sie müßte bei einer Leserschaft, die nicht schon in der theol. Literatur bewandert ist, die abweichenden Auffassungen R. Bultmanns und anderer eingehend schildern. Welchen Umfang hätte dann dieser Band haben müssen!
Ich folge aber grundsätzlich dem Beispiel A. Schlatters. Er hat nicht nur in seinen „Erläuterungen", sondern auch in seinen großen Kommentaren auf jede Diskussion mit andern Theologen verzichtet. Er wollte den Benutzern seiner Bücher wie seinen Studenten im Kolleg zum wirklichen „Hören" auf den Text selber helfen. „Das Hören wird gestört, wenn uns ein Gewirr von Stimmen gleichzeitig bestürmt. Stille ist die Bedingung des Hörens; es verlangt die Beschränkung des Verkehrs auf den, der jetzt mit uns spricht" („Erlebtes" 3. Aufl. S. 78). So möchte auch ich meine Leser nur mit dem Text selber beschäftigen. Daß zu diesem „Hören" auf den Text alles das hilft, was treue philologische und historische Forschung an wirklichen Erkenntnissen erarbeitet hat, ist gewiß.
Selbstverständlich gibt es zu unserm Evangelium eine Fülle von Auslegungen und Sdiriften, die mit reidiem Gewinn studiert werden können. Ein Literaturverzeid:inis am Sdiluß der „Einleitung" sucht dem Leser einige Hinweise zu geben.
Dieser Band ist unter mancherlei Schwierigkeiten zustandegekommen. Umso dankbarer bin ich den vielen Betern, Erwachsenen und Kinderkreisen, die die Arbeit durdi-getragen haben.
Dorothea Vogt hat auch bei diesem Band die vielfache Schreibarbeit mit iimerer Anteilnahme geleistet, Parallelstellen ausgesucht und das Sachregister angefertigt.
Sdiwerin, den 18. Juni 1968 Werner de Boor