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1902
Kurz nach der Jahrhundertwende strebt ein Piigramer nach Berhn. — Er ist jung, etwas über zwanzig, und er verfügt über eine Kraftreserve, die den Pilgramers sonst nicht eigen ist. Während dieser vorerst letzte Piigramer reist, mit Bahn und zu Fuß, steckt er im Geist seine Möglichkeiten ab. Daheim in der Kleinstadt wartet ein winziges Baugeschäft auf den Nachfolger, aber es gibt nichts mehr zu bauen. Das schlesische Provinznest verschläft die Zeit. Und der junge Mann hat eine gute Ausbildung genossen, eine zu gute für das Kaff und ganz ungewöhnlich für die Zeit und für die soziale Schicht, der er entstammt, biederen Maurermeistern, die mit einem Gesellen und einem Hucker Wohnhäuser errichteten, sich ernährten, allmählich zu einem gewissen Wohlstand gelangten.
Piigramer hat studiert. München kennt er und Italien, er ist ein begabter Zeichner, er kann nachempfinden, die Linien eines Bauwerkes teilen sich ihm rasch mit, er kann auch ausdenken und umsetzen. Das ist seine Reserve: Ab jetzt werden die Pilgramers von Maurern zu Baumeistern avancieren, kein Piigramer wird mehr Kelle und Waage in die Hand nehmen, Zirkel und Reißschiene lösen sie ab.
Draußen gleiten die Schatten der Bäume vorbei, im Zugabteil hat der Schaffner die Lampe gelöscht. Es wird hell in östlicher Richtung. Piigramer sitzt in eine Abteilecke zurückgelehnt.
In Berlin, heißt es, schießen die Bauten nur so aus der Erde. Aus den Provinzen des Deutschen Reiches ergießen sich Menschenströme in die Hauptstadt. Berlin nimmt alle auf, gibt ihnen Brot, Arbeit; einen Piigramer soll die Stadt reich und berühmt machen. Piigramer ist ganz sicher, daß er sein Ziel erreichen wird, vielleicht nicht auf Anhieb, aber langsam, Zug um Zug. Noch eine Reserve: Er will arbeiten, er will mehr arbeiten als andere, er dünkt sich etwas Besseres als andere. Zwar lernte er im väterlichen Betrieb Handwerk, lernte schwere körperhche Arbeit kennen, aber er durfte auch eine gute Gewerbeschule besuchen. Dem Vater dieses letzten Pil-
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