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Ferdinand Anton - Das Alte Amerika [antikvár]
 
Als 1520 Albrecht Dürer auf seiner niederländischen Reise die Geschenke sah, die das geistige und religiöse Oberhaupt der Azteken, Moctezuoma, durch Cortés an Kaiser Karl V. nach Europa sandte, schrieb er in sein Tagebuch: »Auch ich hab gesehen die dieng die man dem könig auss dem neuen guldnen land hat gebracht und ich hab aber meiner lebtag nichts gesehen, das mein hercz also erfreuet hat als diese dieng. Dann ich hab darin gesehen wunderliche künstliche dieng und ich hab mich verwundert der subtilen ingenia der menschen in...
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Als 1520 Albrecht Dürer auf seiner niederländischen Reise die Geschenke sah, die das geistige und religiöse Oberhaupt der Azteken, Moctezuoma, durch Cortés an Kaiser Karl V. nach Europa sandte, schrieb er in sein Tagebuch: »Auch ich hab gesehen die dieng die man dem könig auss dem neuen guldnen land hat gebracht und ich hab aber meiner lebtag nichts gesehen, das mein hercz also erfreuet hat als diese dieng. Dann ich hab darin gesehen wunderliche künstliche dieng und ich hab mich verwundert der subtilen ingenia der menschen in frembden landen.« So dachte einer der bedeutendsten Künstler des 16. Jahrhunderts. Dreieinhalb Jahrhunderte später weigerte sich der Direktor des Louvre, Gegenstände aus dem alten Amerika in »seinem Museum« aufzustellen. Tatsächlich blieb die Wiederentdeckung der alt-amerikanischen Kunst unserem Jahrhundert vorbehalten. Nicht nur in der Kunst der Neger fanden moderne Maler, wie Picasso und Paul Klee, Bildhauer, wie Henry Moore und Jacques Lipschitz, um nur einige zu nennen, ihre Anregungen, sondern ebenso in der präkolumbi-schen Kunst. Der vor über 2000 Jahren von den Griechen realisierte Begriff »Kunst« verliert im 20. Jahrhundert endgültig seine Vorherrschaft. Diese Um- und Neuwertung brachte dem Kunstmuseum einen gleichwertigen Partner, das Museum für Völkerkunde. Im »Musée de l'homme« in Paris stehen über dem Eingang die Worte von Paul Valéry: »Von dem der vorübergeht, hängt es ab, ob ich Grab oder Sehatz bin, ob ich schweige oder spreche.« Und diese Kunstwerke sprachen an. Zuerst natürlich die Künstler. In Dresden, in München, in London wie in Paris begeisterten sich die, die eine Erneuerung der abendländischen Kunst forderten. Manch ein Gewebe aus dem alten Peru ist in einem Aquarell von Paul Klee wieder auferstanden, in mancher Skulptur aus der Zeit vor der Entdeckung Amerikas finden sich ähnliche Formen wie in Bildern und Keramiken von Pablo Picasso. Aber nur Henry Moore, der größte englische Bildhauer, erzählte, daß er nie den Mut gefunden hätte, einen >negative space<, einen Hohlraum in einer geschlossenen Form zu verarbeiten. Erst nachdem er im Britischen Museum mexikanische Skulpturen gesehen hatte, wagte er den Schritt. Gerade, daß in Europa der Kunstwert in den Zeugen der Vorgeschichte erkannt wurde, bestärkte die verhältnismäßig jungen Staaten, die noch vor zwei Jahrhunderten unter spanischer oder portugiesischer Krone standen, in ihrem Bemühen, in die Vergangenheit zurückzugraben. In Mexiko sind es allein über 12000 mittlere und größere Siedlungsplätze, die bisher von Archäologen registriert sind. In Peru und Bolivien sind es etwa die Hälfte. Die Gesamtzahl der Indianer, die ihren Namen einem historischen Irrtum verdanken, denn der Entdecker Amerikas wähnte sich in Indien, dürfte zur Zeit von Christoph Columbus etwa zwischen 40-45 Millionen gewesen sein. Ein französischer Ethnologe wies 123 verschiedene Sprachfamüien nach, die nicht durch die geringsten verwandtschaftlichen Beziehungen verknüpft sind. Wie die Sprachen der >Neuen Welt<, so zeigt auch die Kunst unzählige Gesichter, Formen und Techniken. Neben dem Gebiet der Zentral-Anden von Peru und Bolivien bildeten Mexiko, Guatemala und einige Teile der anschließenden Länder das Zentrum einer intellektuellen und künstlerischen Entwicklung. Die »Länder dazwischen«, die Goldländer, wurden in ihrer Entwicklung jäh durch die spanische Eroberung unterbrochen. Aber auch ihre künstlerische Hinterlassenschaft kann sich neben den Erzeugnissen der »eigentlichen« Hochkulturen sehen lassen, ebenso wie die Erzeugnisse der sogenannten »Primitiven«, die am Ende des Buches von einem großen Spezialisten, Dr. Dockstader, leider nur gestreift werden können. »Die Wirklichkeit des alten Mexiko ist der Mythos«, so schrieb Paul Westheim. Diese Feststellung trifft auch für die anderen indianischen Kulturen zu. Fast alle Religionssysteme haben sich mit der Güte, mit dem Gut und Böse, auseinanderzusetzen. Nicht so die alt-amerikanischen Völker. Ihre Götter haben sich dem kosmischen Vorbild angeglichen. Also gibt es keine Trennung von Gut und Böse, denn der Gott, der den ersehnten

Termékadatok

Cím: Das Alte Amerika [antikvár]
Szerző: Ferdinand Anton Frederick J. Dockstader
Kiadó: Holle Verlag GmbH.
Kötés: Fűzött keménykötés
Méret: 190 mm x 230 mm
Ferdinand Anton művei
Frederick J. Dockstader művei
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