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Der dunkle Continent, der Erdtheil, welcher seiner Erforschung am langsten wider standén, ist zum grófién Theile des Geheimnisses beraubt, das er so sorgsam zu hüten gewufit hat. LUDWIG RITTER VON HÖHNEL/ZUM RUDOLPH-SEE UND STEPHANIE-SEE Das Afrikanische Rift Valley sah ich zum ersten Mai auf einer Reise, die mich von Nairobi, der Hauptstadt Kenias, nach Norden führte. Knapp 50 Kilometer von der Stadt entfernt kam ich ohne Vorwarnung plötzlich an den Rand einer gigantischen Erdspalte. Der mit Gestrüpp bewachsene Abhang führte fast senkrecht in die Tiefe. 600 Meter weiter untén lag eine unermeBliche gelbe Ebene, die sich weit in die Ferne erstreckte. Eine zweite fast senkrechte Wand erhob sich fast 50 Kilometer weiter im bláulichen Dunst. Sie sah derjenigen, auf der ich stand, sehr áhnlich und war auch ebenso hoch. Die ganze Landschaft war so streng und regelmáBig, daB sie fast unnatürlich wirkte. Rechts und links von mir erstreckte sich die Talwand, so weit das Auge reichte, in gerader Linie nach Norden und Süden - dasselbe galt für den Hang in der Ferne. In der Natúr gibt es nur sehr wenige gerade Linien, ganz zu schweigen von parallelen geraden Linien. Dennoch können nur die gewaltigsten Kráfte der Natúr einen Graben von so kolossalen AusmaBen geschaffen habén, wie man beim Blick in diese Erdspalte klar erkennt. Die klippenáhnlichen Wánde des Tals wirkten frisch und verháltnismáBig wenig verwittert. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, daB sie erst kürzlich entstanden waren und daB sich der ganze Talgrund von der Höhe des Plateaus in einem enormen Stück gesenkt hatte wie ein 50 Kilometer breiter Aufzug, der einen gigantischen Aufzugsschacht hinunterfáhrt. So áhnlich ist es auch gewesen, und nicht nur an dieser Stelle, sondern auf einer Strecke von Tausenden von Kilometern weit nach Norden und Süden. Im Verlauf der letzten 16 Millionen Jahre - nach geologischer Zeitrechnung alsó vor kurzem - habén globale Verschiebungen auf die kontinentalen Massen des Mittleren