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Luise Rinser - Daniela [antikvár]
 
Erster Teil Erstes Kapitel Aus dem schon wieder anfahrenden Zug springt jemand ab, im letzten Augenblick; ein junges Geschöpf, Frau oder Mädchen, die einzige Reisende, die an dieser Station den Zug verläßt. Sie steht allein auf dem regennassen Bahnsteig, sie ist fremd. Sie steht eine Weile regungslos, sie schaut dem Zug nach, der sidi unaufhaltsam entfernt und schließlich ihrem Blick entschwindet, dann hebt sie langsam den Arm wie jemand, der ein Signal gibt, aber sie legt nur die Hand auf den Mund, eine sonderbare Bewegung für...
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Erster Teil Erstes Kapitel Aus dem schon wieder anfahrenden Zug springt jemand ab, im letzten Augenblick; ein junges Geschöpf, Frau oder Mädchen, die einzige Reisende, die an dieser Station den Zug verläßt. Sie steht allein auf dem regennassen Bahnsteig, sie ist fremd. Sie steht eine Weile regungslos, sie schaut dem Zug nach, der sidi unaufhaltsam entfernt und schließlich ihrem Blick entschwindet, dann hebt sie langsam den Arm wie jemand, der ein Signal gibt, aber sie legt nur die Hand auf den Mund, eine sonderbare Bewegung für einen erwachsenen Menschen, die Bewegung eines Kindes, das ein unbedachtes, ein allzu kühnes Wort gesagt hat und es zu spät bemerkt. Diese Gebärde fällt dem mürrischen alten Stationsvorsteher auf, sie rührt ihn, er weiß nicht warum, und sie hält ihn davon ab, die leichtsinnige Reisende zu beschimpfen. Er begnügt sich damit ihr zuzurufen: Das hätte aber schlimm ausgehen können, Fräulein! Die Fremde, so unerwartet angerufen, fährt ein wenig zusammen, dann greift sie nach ihren Koffern und geht durch die Sperre, stumm, niemand hätte sagen können, ob ihr Schweigen der Verlegenheit, dem Hochmut oder nur einfach der Abwesenheit entspringt. Der Vorsteher schaut ihr selbstvergessen mit trüben Augen nach. Dann sdileicht er ins Büro zurück. Er ist ein müder alter Mann. Wer war denn das? fragt ihn der Schalterbeamte. Der Vorsteher zuckt die Achseln. Hübsche Person, sagt der Jüngere. Er bekommt keine Antwort. Ein wenig später klopft es am Schalter, kurz und leise. Der Jüngere öffnet die Fensterklappe. Das Gesicht der Fremden, jung und blaß, erscheint in dem kleinen Ausschnitt. Der Vorsteher horcht mit offenem Mund auf die großstädtische Stimme. Die Fremde will ins Moordorf. Ein weiter Weg. Wie soll sie dorthin kommen. Es gibt keinen Omnibus. Zu Fuß, das ist unmöglich, zwei Stunden, und bei diesem Wetter, es wird rasch dunkel werden, im November kommt die Nacht früh. Der Vorsteher misdit sich auf seine Weise ein; er hebt den Telephonhörer ab. Er tut es mit schlechtem Gewissen, denn private Gespräche durch das Diensttelephon sind nidit erlaubt. Das Ergebnis ist kläglich: das einzige Mietauto in dem kleinen

Termékadatok

Cím: Daniela [antikvár]
Szerző: Luise Rinser
Kiadó: Fischer Taschenbuch Verlag GmbH
Kötés: Ragasztott papírkötés
ISBN: 3596211166
Méret: 110 mm x 180 mm
Luise Rinser művei
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