Bővebb ismertető
Der große italienische Komponist des 18. Jahrhunderts, Antonio Vivaldi (1678_1741) teilte nach seinem Tode das Schicksal seines genialen deutschen Zeitgenossen, Johann Sebastian Bach. Seine Werke sind eine Zeitlang sozusagen unter die Erde geraten; sie wurden von der nachfolgenden Generation übergangen und vergessen. Mehr als ein Jahrhundert mußte vergehen, bis die musikalische Welt die Bedeutung der großen Komponistengarde um 1700 erkannte: erst im 19. Jahrhundert beginnt die Pflege der Werke von Bach, Händel, Rameau, Scarlatti, in Konzertsälen und in Werkstätten der Musikwissenschaft fast zu gleicher Zeit. Der ,,Scheintod" Vivaldis aber dauerte noch länger als der seiner Zeitgenossen. Die Auferstehung seiner romantischen Gestalt und seiner, geradezu auf allen Gebieten bahnbrechenden, launig-farbenreichen Kunst erfolgte erst in den 1930er Jahren und ist der Auswertung des sogenannten Foä-Giordano-Nachlasses, der begeisterten Agitation Alfredo Casellas, Angelo Ephrikians, sowie den Vivaldi-Festlichkeiten von Siena zu verdanken. Im vergangenen Jahrzehnt sind bereits bedeutsame Vivaldi-Monographien in italienischer und französischer Sprache erschienen, und die Gesamtausgabe seiner Werke wurde auch begonnen.
Die Zahl dieser bereits zum Gemeingut gewordenen Werke wird auch durch das vorliegende Violinkonzert bereichert, das den Titel ,,I1 Ritiro" (Rücktritt, Zuflucht, Kloster) trägt, dessen Material der Verfasser dieser Zeilen im Sommer 1947 aus den in der Bibhothek des Konservatoriums zu Neapel aufbewahrten Orchesterstimmen zusammenstellte. (Signatur des Werkes in der Handschriftensammlung: Ms. 22. 1. 20. Erwähnt wird es schon in dem Katalog der Bibliothek: G. Gasparini—F. Gallo: Catalogo delle Opere Musical! teoriche e pratiche di autori vissuti sino al priml decenni del secolo XIX, esis-tenti nelle blblioteche e negli archivi pubblld e prlvati d'Italla; Serie X. Cittä dl Napoll. Biblioteca del R. Conservatorio dl Música dl S. Pletro a Majella, Parma 1934. S. 649. — Die Vivaldi-Literatur nahm jedoch keine Kenntnis davon. Unseren Bericht über das Werk s. im XV. Quaderno der Accademia Chi-giana. Siena, 1947.) Die handschrifthchen Stimmen tragen die Jahreszahl 1727; nimmt man diesen Zeitpunkt nicht für den der Abschrift, sondern als Entstehungsjahr des Werkes an, gehört das Ritiro-Konzert in die reife, fast schon späte, ,,vorletzte" Periode im instrumentalen Schaffen des Meisters. Melodienreichtum, Formgestaltung, luftig-durchbrochene Harmonien- und Instrumentenbehandlung, die fast überall gegenwärtige Neigung zur Improvisation — man beachte nur die eigenartigen ,,ausgeschriebenen" Kadenzen des Schlußsatzes —, all dies deutet jedenfalls auf die ,,großen Jahre", auf den gereiften persönlichen Stil Vivaldis. (Nach A. Ephrikians Vermutung bezieht sich der Titel des hier vorgelegten Konzertes auf Vivaldis Abschied vom Konservatorium Deila Pietá in Venedig.)
Bence Szabolcsl