Bővebb ismertető
Vorwort
Schon bald nach Aufnahme meiner Lehrtätigkeit hielt ich es für angebracht, im Rahmen der speziellen anorganischen Chemie auch eine Vorlesung über die Chemie komplexer Verbindungen zu halten. In der ersten Zeit konnte ich dabei oJme weiteres als einschlägige Lektüre die klassischen Werke dieses Gebietes, nämlich die neueran Anschauungen in der anorganischen Chemie von A. Werner Vjzw. P. Pfeiffer oder die Einführung in die Komplexchemie von R. Weinland den Studierenden empfehlen. Die Unbefangenheit, mit der dies geschah, schwand aber im Laufe der Jahre, die seit den letzten Auflagen (1923 bzw. 1927) vergingen, in steigendem Maße angesichts der bedeutsamen Fortschritte, die in dieser Zeit auf dem Gebiet der Verbindungen höherer Ordnung stattfanden und infolge des Ausbleibens weiterer Auflagen keine Berücksichtigung finden konnten. Hinzu kam, daß die Gesichtspunkte, unter denen seinerzeit die klassischen Werke geschrieben worden waren, im Verlauf der weiteren Entwicklung wenigstens zum Teil an Bedeutung verloren hatten. Dies wird klar, wenn man sich den programmatischen Charakter speziell der „neueren Anschauungen" A. Werners vergegenwärtigt, deren wesentliches Ziel ja nicht nur darin bestand, die neuen Auffassungen bekannt zu machen, sondern auch ihre Berechtigung und Allgemein-gültigkeit zu erweisen, sowie ihnen die gebührende Beachtung zu verschaffen und sie durchzusetzen. Werner hatte die Genugtuung, daß schon zu seinen Lebzeiten die Koordinationslehre weitgehend zur Anerkennung gelangte, und heute sind seine grundlegenden Anschauungen so allgemein akzeptiert, daß in einer zeitgemäßen Darstellung der Komplexchemie diese Ausrichtung und Zielsetzung nicht mehr nötig erscheint und höchstens eine unnötige Belastung bedeutet.
Ang(!sichts der geschilderten Sachlage wurde seitens der Studierenden und meiner Mitarbeiter mit den Jahren immer häufiger der Wunsch laut, ich möchte doch selber im Sinne meiner Vorlesung, die ich natürlich stets der Weiterentwicklung der einschlägigen Erkenntnisse und Auffassungen anzupassen bemüht war, ein dem Jetztstand der Wissenschaft entsprechendes Lehrbuch der Komplexchemie schrtiiben. Es waren indessen verschiedene Gründe, die mich längere Zeit zögern ließen, dieser Aufforderung zu entsprechen. Einmal glaubte ich, daß doch noch Berufenere sich bereit finden würden, dem immer fühlbarer werdenden Miingcil durch Neubearbeitung der genannten Bücher abzuhelfen, zum anderen liattc ich (las lOmpfinden, daß die Zeit noch nicht reif genug sei für eine derartige Daistellung, die notwendigerweise mit einer zum Teil erheblichen Umgestaltung und Neuordnung nach Inhalt und Form verbunden sein mußte. Schließlich wurde aber das Bedürfnis nach einer Neufassung der Komplexchemie so drängend — es braucht nur an den Notbehelf des anastatischen Neudruckes der genannten Bücher vor wenigen Jahren erinnert zu worden—, daß ich mich entschloß, einer gleichzeitig an mich ergangenen Aufforderung des Verlegers entsprechend, die Abfassung oines neuen Lehrbuches der Chemie der komplexen Verbindungen zu übernehmen.