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Prolog
Agatha sah zu, wie Prue über den Querbalken der Scheune balancierte, die Arme steif zur Seite gestreckt, ungelenk, entschlossen, tapfer. Von unten fiel ein Lichtstrahl auf ihre dünnen, weißen Beine. Die dicken Arbeitssocken und die klobigen Schuhe lagen irgendwo im Heu.
Agatha sah, wie Prue stehenblieb, schwankte und den Blick nach unten vermied. Ihr linker Fuß zögerte, war plötzlich unsicher, wo er aufsetzen sollte. Die Zehen krampften. Sie war fast am Ziel angelangt, wo eine Leiter angelehnt war. Aber sie schaffte es nicht.
Agatha sah, wie Prue in die dunkle Tiefe fiel, hörte ihren Schrei. Im Haus konnte sie niemand hören, denn genau in diesem Augenbhck begann eine Sirene zu heulen. Ihr Jaulen verschmolz mit dem gellenden Schrei zu einem schrecklichen Ton, der Agatha auch jetzt noch, etwa fünfzig Jahre später, durch Mark und Bein ging.
Nur mühsam riß sie sich aus diesem Erinnerungsbild los und kehrte in die Gegenwart an ihren feinen Restauranttisch in einem Londoner Hotel zurück.
Agatha war als erste da, wie immer. Stella konnte nie pünktlich sein. Bei Prue wußte man nicht so genau.
Sie streifte einen ihrer schwarzen Glacehandschuhe ab und ließ die Finger über das strahlend weiße Tischtuch gleiten. Hof-fenthch würde der beflissene Ober sie nicht gleich mit der umfangreichen Speisekarte überfallen oder sie fragen, ob sie einen Drink wünschte. Sie wollte eigentlich momentan gar nichts, nur ein paar Augenblicke Zeit, um zu sich zu kommen, ehe die anderen eintrafen. Es war eine lange Fahrt von Tiverton hierher gewesen, und ihr Enkel war für ihren Geschmack zu schnell durch den Londoner Verkehr gefahren. Sie fühlte sich ein wenig entwurzelt. Großstädte erfüllten sie immer mit Unbehagen. Wie gut, daß sie die Einladung ihrer Tochter, doch über Nacht zu bleiben, dankend abgelehnt und beschlossen hatte, mit dem Fünfuhrzug zurückzufahren. Ihr Mann würde mit dem Wagen am Bahnhof stehen, nachdem er zu Hause im