Bővebb ismertető
BERTOLT BRECHT 1 Dieser überreiche Dichter streute in alles, was er schuf, Keime von Gedanken und Spürungen, dazu bestimmt, ihr ganzes Leben erst spáter zu entfalten. Er war überzeugt, daB jecles lebendige Werk aus eigener Kraft wáehst und weiterarbeitet, da/3 es sich ándert mit jedem Hörer und Leser, den es erreicht. Seine Diehtungen sind aufgebaut auf dieser Voraussetzung, so daB erst die Zukunft die ganze Breite und Füllé seines Werkes sehaubar machen wird. Brecht selber hielt alles, was er geschaífen hatte, für ein Vorláufiges, im Entstehen Begriífenes. Bücher, die er lángst hatte drucken lassen, Stücke, die er unzáhlige Male aufgeführt hatte, waren ihm noch keineswegs fertig, und gerade jene Werke, die ihm die liebsten waren, „Die heilige Johanna der Schlachthöfe", „Der gute Mensch von Sezuan", „Der kaukasische Kreidekreis", betrachtete er als Fragmente. Ihm lag wie so manchem groBen Deutschen die Vollendung des Werkes weniger am Herzen als die Arbeit am Werk. Er hörte denn auch begierig auf Vorschláge und Einwánde und ging, wann immer Zweifel und Ratschlag ihm einleuchteten, sogleich daran, das Geschaffene zum tausendundersten Male zu überarbeiten, selbst wenn das bedeutete, daB er's von den Fundamenten her neu bauen muBte. Durch diese Arbeitsweise hat es Brecht erreicht, daB seine Diehtungen so durch und durch dynamisch wirken. Sie zwingen den Empfánger, selber weiterzuarbeiten, sie reizen ihn, mit Brecht zu streiten, ihn anzuzweifeln, ihm zuzustimmen. Brecht, obwohl er seine Stücke „Lehrstücke" nannte, fühlte sich keineswegs als Praeceptor Germaniae. Er war sich bewuBt, nichts zu wissen, und bereit und bestrebt, von andern zu lernen. Er wollte anregen, er wollte sich mit den andern auseinandersetzen und ihnen denken helfen. Diese sokratische Eigenscihaft durchtránkt Brechts gesamtes Werk. Es láBt den Leser nicht los, es bescháftigt ihn und zieht ihn immer von neuem an.