Bővebb ismertető
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Vorwort
Die Ausstellung »Benütze Foto als Waffe!« soll die Anfänge und gleichzeitig einen wichtigen Abschnitt in der Entwicklung der Fotomontage dokumentieren, der Technik, die untrennbar mit dem Namen des 1891 in Berlin geborenen Helmut Herzfeld verbunden ist. Verknüpft wird dieser Aspekt mit der künstlerischen Gestaltung von Buchumschlägen, wobei der Malik-Verlag eine herausragende Stellung einnimmt. Der Zusammenhang besteht darin, daß Herzfeld oder John Heartfield - wie er sich seit 1916 nannte - zu den Mitbegründern des Verlages gehört und daß neben den späteren Arbeiten für die >Arbeiter-Illustrierte-Zeitung< und die >Volks-Illustrierte< gerade die für den Malik-Verlag erstellten Einband-Illustrationen und Buchumschläge wesendicher Bestandteil seines Schaffens sind. Heartfields künstlerische Laufbahn sowie auch seine politische Radikalität wurden entscheidend durch die Realitäten des 1. Weltkrieges beeinflußt. Obwohl selbst nie Frontsoldat gewesen, erfaßte er doch die Schrecken des Krieges, aber auch die Interessen derer, die Krieg führten bzw. derjenigen, die bis zum bitteren Ende geführt wurden, und verarbeitete diese Thematik in seinen Werken.
Er selbst versteht zumindest in dieser Zeit seine Arbeiten nicht als Kunst, sondern es geht ihm mit seinen Aussagen bewußt darum, die von ihm abgelehnte bürgerliche Gesellschaft ihrer Fassade zu entledigen, ihr die Maske vom Gesicht zu reißen, um so die durch diese Gesellschaft hervorgerufene Unterdrückung des Proletariats deutlich werden zu lassen.
Die der Technik der Fotomontage innewohnenden Möglichkeiten baut Heartfield dann noch aus, und er wird mit seinen Mitteln ein frühzeitiger Warner vor dem und Kämpfer gegen den aufkommenden Faschismus. Heartfield hat mit der Fotomontage einen Weg gefunden, der eigentlich dem ursprünglichen Anlaß, welcher der Technik der Fotografie zugrunde liegt, entgegensteht. Während zunächst die möglichst unveränderte, detailgetreue Abbildung der realen Welt das wesentliche
Ziel der Entwicklung war, benutzte Heartfield bewußt das Mittel der Verfremdung, um so politische Aussagen deutlich werden zu lassen.
Die radikale Erhellung zentraler Aussagen, gegebenenfalls auch um den Preis der Verletzung oder Herabsetzung anderer durch bildhafte Umformung, ist das wesendiche Ziel, und von daher ist auch der scheinbar aggressive Titel der Ausstellung »Benützte Foto als Waffe!« charakteristisches Leitmotiv der Arbeiten Heartfields.
Die Ausstellung ist Teil der Aktivitäten anläßlich des 150jährigen Jubiläums der Erfindung der Fotografie durch Louis Jacques Mandé Daguerre. Die Stadt- und Universitätsbibliothek hat sich, gestützt auf ihre Bestände, zu denen in diesem Zusammenhang insbesondere die im Malik-Verlag erschienenen Werke zu zählen sind, in die Liste der zahlreichen Einrichtungen eingereiht, welche die technische und künstlerische Bedeutung der Fotografie im Rahmen von Ausstellungen deutlich werden lassen.
Dank gilt dabei allen, die an der Vorbereitung und Durchführung der Ausstellung sowie der Erarbeitung des Begleitheftes beteiligt sind. Dazu gehören dessen Autoren, unter denen Theo Pinkus, der auch einen Originalbrief Heartfields als Exponat zur Verfügung gestellt hat, besonders hervorzuheben ist. Zu danken ist auch der Deutschen Bibhothek, die einzelne Originalhefte zur Verfügung stellte und insbesondere der Akademie der Künste der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin, die als die Verwalterin des Nachlasses Heartfields in außerordentlich großzügiger und entgegenkommender Weise die Reproduktionserlaubnis erteilt hat.
Schließlich sei Frau Monika Richter und Herrn Dr. Bernhard Koßmann gedankt, die die AussteUung mit hohem persönlichem Engagement vorbereitet und erarbeitet haben.
Hilmar Hoffmann Dezernent für Kultur und Freizeit
Berndt DugaU Direktor der Stadt- und Universitätsbibliothek