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IMMER WENN WIR DURCH BAUTZEN SPAZIEREN, streite ~ ich mit meiner Begleiterin. Sie findet es am Marktbrunnen so schön, werin das Wasser lustig plátschert, die Leute sich zu einem Rendezvous treffen, wenn man die schmucken Barockfassaden hinter sich weiB und den Wolkenhimmel über sich. Ich dagegen bin am liebsten auf dem Nicolaifriedhof mit den stillen Grábem zwischen verfallenen Kirchenmauern, mit Blick zum Spreetal und seinen Hangén, mit Gedanken an Früheres und Künftiges. Aber wir einigen uns auch wieder. Schön istes hiernámlich an vielen Flecken. Zum Beispiel auf der hohen Steinbrücke, wo sich der Blick auf das Sáchsische Nürnberg darbietet wie von der besten Ansichtskarte genommen. Oder abends auf dem Protschenberg: Das Band der Spree umschlieBt die Ortenburg wie zur Umarmung, weich liegt die spáte Sonne über den Háusern, die sich an den Burgberg schmiegen, und blau grüBen die Lausitzer Berge von ferne nach Bautzen herüber. Bautzen heiBt offiziell erst seit 1868 Bautzen, dieser Name wurde damals amtlich bestátigt. Erwáhnt aber ist die Stadt schon seit fast tausend Jahren, das erste Mai von Thietmar von Merseburg, dem Chronisten der Könige Heinrich I. und Ottó III., der Geschichte tagebuchartig, fastzeitgleich mit den Ereignissen aufzeichnete. Er schreibt im Jahre 1002 von der Civitas Budusin, spater liest man auch Budissin, Budysin, Budessen, Butitcyn, um 1450 Bucen, 1512 Boytzen, 1519 Pautzen und 1523 zum ersten Mai Bautzen. Wenn es um die Ergründung von Namen geht, hebt selbst unter Historikern das groBe Rátselraten an. Manche führen ihn auf Bud (für eine vorzeitliche Burg auf dem Protschenberg) zurück, andere auf buczina (Buchenwald) oder Budislaw (einen slawischen Fürsten). Wieder andere behaupten, Attila habe einen Brúder mit Namen Budas gehabt, den er zum Herzog über die böhmischen Markomannen gemacht und mit der Gründung der Stadt beauftragt habe. SchlieBlich láBt ein letzter Geschichtsdeuter an der Stelle, wo heute Bautzen steht, eine reisende schwangere Herzogin haltmachen. Sie wird hier von den Wehen überrascht, bringt unter Schmerzen ihr Kind zur Welt. Ihr Gatte eilt herbei, ruft ihr die Frage zu: Bude syn? - Ist's __