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Matthias Freude - Bauten der Tiere [antikvár]

Bauten der Tiere [antikvár]

Matthias Freude

 
Als die Menschen der Altsteinzeit noch In Felshöhlen Schutz suchten, bauten die Termiten ihre betonharten Burgen schon seit über zweihundert Millionen Jahren, und die Nester der Ameisen gibt es seit etwa fünfzig Millionen Jahren. Auch Vogelnester, Biberburgen und Spinnennetze sind unvergleichlich älter als das älteste von Menschen erbaute Haus. Viele tausend tierische Baumeister sind den Wissenschaftlern heute bekannt. Dennoch wissen die meisten Menschen erstaunlich wenig über ihre Tätigkeit. Dabei hat jeder schon einmal Bauten...
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Als die Menschen der Altsteinzeit noch In Felshöhlen Schutz suchten, bauten die Termiten ihre betonharten Burgen schon seit über zweihundert Millionen Jahren, und die Nester der Ameisen gibt es seit etwa fünfzig Millionen Jahren. Auch Vogelnester, Biberburgen und Spinnennetze sind unvergleichlich älter als das älteste von Menschen erbaute Haus. Viele tausend tierische Baumeister sind den Wissenschaftlern heute bekannt. Dennoch wissen die meisten Menschen erstaunlich wenig über ihre Tätigkeit. Dabei hat jeder schon einmal Bauten der Tiere gesehen: die Netze der Webspinnen, die geflochtenen oder zusammengesteckten Nester unserer Singvögel; Maulwurfshaufen und Mauselöcher, die anzeigen, wo die Erdbaue dieser Tiere zu suchen sind; vielleicht auch die grauen Wespennester aus Papier oder die Waben der Honigbienen. So wie uns fielen auch unseren Vorfahren die Bauwerke der Tiere auf. Damals interessierte sich der Mensch jedoch vor allem für den Nutzen, den er aus den tierischen Bauten ziehen konnte. So weiß er seit Jahrtausenden, daß sich das Wachs der Bienenwaben beispielsweise zum Verkitten von Pfeilspitzen, als Material der Schreibtäfelchen für Keüschrift-zeichen oder zum Herstellen von Kerzen verwenden läßt. Wir kennen sogar Felszeichnungen aus der Steinzeit, die zeigen, wie die Menschen Honig und Wachs der wilden Bienenvölker erbeuteten. Sie lernten allmählich so viel über Leben und Bautätigkeit der Honigbienen, daß in Ägypten bereits vor fünftausend Jahren Bienenvölker in Röhren aus Nilschlamm angesiedelt werden konnten. Ähnlich verhält es sich mit dem Seidenspinner im alten China. Aus den Verpuppungskokons der Seidenraupen werden seit über zweitausend Jahren die Seidenfäden gewonnen, ursprünglich als Angelschnüre und Saiten für Musikinstrumente, später für kostbare Stoffe. Wie gut man bereits die günstigsten Bedingungen für die Bautätigkeit der Seidenraupe kannte, wissen wir aus schriftlichen Zuchtanleitungen, die aus jener Zeit erhalten geblieben sind. Fast vergessen ist heute in Europa die Kunst, aus Spinnenseide hauchdünne Gewebe für Handschuhe und Strümpfe herzustellen. Diese Gewebe haben einen goldenen Glanz und bleiben im Gegensatz zu Stoffen aus Raupenseide auch nach Jahrhunderten noch biegsam und elastisch. Auf eine ganz andere Weise nutzen die Menschen die Nester der südostasiatischen Salanganen. Von alters her verzehren Feinschmecker die „eßbaren Schwalbennester", die Kinderstuben dieser Vögel. Für alle tierischen Bauten, aus denen der Mensch keinen unmittelbaren Nutzen ziehen konnte, interessierte er sich weit weniger. Deshalb waren seine Kenntnisse darüber geringer. Vielfach suchten unsere Vorfahren ihre Wissenslücken durch Sagen und Mythen zu überbrücken. Vor vielen tausend Jahren, so erzählt eine griechische Sage, lebte in Lydien einefleißige undgeschickte Weberin, Arachne war ihr Name. Bei einem Wettstreit übertraf sie sogar die Göttin Athene an Kunstfertigkeit. Das erzürnte die Göttin, und sie verwandelte Arachne in eine Webspinne. Für alle Zelten führt die verzauberte Weberin ihre Kunst weiter, spinnt seidene Fäden und webt Netze daraus. Das jedenfalls glaubten die alten Griechen. Noch heute erinnert der wissenschaftliche Name für Spinnentiere -Arachnida - an diese Sage. Eine andere griechische Sage berichtet von den Kinderstuben der Eisvögel. Sie sollten weit draußen auf dem Meer stehen und aus Schaumkämmen der Wellen gebaut sein. Die Götter waren den Eisvögeln so gewogen, daß sie die Wellen des Meeres zur Brutzeit - mitten im Winter - für zwei Wochen glätteten. Hier irrten die alten Griechen gleich zweimal: Eisvögel brüten nicht auf dem Meer, sondern in steilen Uferböschungen, und auch nicht im Winter, sondern im Frühjahr, wie die meisten anderen Vögel. Neben den Sagen geben uns auch antike Reiseberichte Auskunftdar-über, wieviel man damals überdie Bautätigkeit der Tiere wußte.

Termékadatok

Cím: Bauten der Tiere [antikvár]
Szerző: Matthias Freude
Kiadó: Der Kinderbuchverlag
Kötés: Varrott keménykötés
Méret: 220 mm x 250 mm
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