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Information und Wertung;
Eine nicht unbedingt notwendige Vorbemerkung
Je älter ich werde - und ich bin nun alt genug, um eine solche Wendung ohne jede Eitelkeit gebrauchen zu können je mehr es mir gegönnt ist, literarisches Leben und Sterben, literarische Tode und Wiedergeburten von einstigen Zeitgenossen mitzuerleben, um so deutlicher wird mir, daß sowohl im künstlerischen Schaffensprozeß wie im Rezeptionsvorgang die Wenung der Dinge und Verhältnisse durch den Autor, die Wertung des Kunstwerks durch den Leser, die Wertung und oft genug Abwertung durch den Kritiker - das eigentliche Kunstleben ausmachten (das freilich vielfach nur ein künstliches Leben ist!).
Ich will über diese Erkenntnis nicht lange philosophieren (das mögen die Kunstwissenschaftler tun), sondern nur eingestehen, daß mir zugleich mit dieser Einsicht der Wunsch gewachsen ist, endlich einige Lebehserinnerungen niederzuschreiben, um Informationen in reinerer Form als im Roman zu vermitteln, und wo ich werte - und werten will! dies sogleich freimütig einzugestehen.
Dieser Wunsch bestand natürlich schon länger, die letzte Anregung (obwohl ursprünglich gewiß mehr zur Aufregung bestimmt) gab aber ein Artikel der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung" von irgendeinem s.w. zu meinem siebzigsten Geburtstag, ein routiniert gemachtes Stückchen bundesrepublikanischer Kunstinformation, das auf seine Weise unübertrefflich die seltsame Dialektik von Information und Wertung demonstriert: scheinbar wertungsfreie Information, die doch in fast jedem Satz Wertungen birgt. Lesen Sie selbst:
„Hedda Zinner 70
Auf dem roten Teppich Hedda Zinner, eine gebürtige Wienerin und seit Jahr und Tag eine mit Nationalpreis, Goethe- und Schillerpreis hochgeehrte Schriftstellerin der DDR, ist kürzlich bei