Bővebb ismertető
E. Sangmeister
Eine Vierfiißchenschale der Linearbandkeramik aus Opfingen, Freiburg
Bei den Ausgrabungen, die im Herbst 1982 im Gewann „Bodenlai" in Opfingen, Gem. Freiburg, durchgeführt wurden, kamen im Bereich der schon seit 1927 bekannten und teilweise untersuchten bandkeramischen Siedlung erneut Gruben zutage. Vom gleichen Areal liegen auch Fundkomplexe anderer Kulturen, so auch der Urnenfelderkultur vor, doch scheint der Fund, der hier vorgestellt werden soll, eindeutig der Bandkeramik anzugehören. In einer etwa drei Meter langen länglichen Grube, die wegen der im Tuniberg offenbar starken Erosion jetzt nur noch bis höchstens 80 cm unter die heutige Oberfläche reichte, fanden sich Reste von drei bis vier verzierten Gefäßen (Abb. 2), wie sie für die lokale Variante der jüngeren Bandkeramik zu beiden Seiten des südlichen Oberrheins typisch sind, dazu kommen Scherben von mindestens sechs verschiedenen Vorratsgefäßen mit Knubben und Osen zum Aufhängen. Das ist ein ganz charakteristisches Inventar, wie es sich in Abfallgruben der Bandkeramik findet. Ergänzt wird es durch Bruchstücke von Mahlsteinen sowie ungewöhnlich viele Knochen eines großen Tieres, vermutlich vom Rind. Alles in allem macht die Grube den Eindruck der gewöhnlichen Siedlungsgruben der Bandkeramik, wie sie entstanden, wenn man Lehm für den Verputz der Hauswände gewinnen wollte. Ungewöhnlich ist die Richtung der Grube, die von SW nach NO verläuft. Doch es mag hier in der Mulde des Tunibergs die Siedlung nach etwas anderen Gesichtspunkten angelegt worden sein als anderswo, wo eine Nordwestausrichtung der Häuser und damit der sie begleitenden Gruben üblich ist. Unter den ganz „alltäglichen" Funden lag ein besonderes Stück. Es handelt sich um ein großes Fragment einer vierfüßigen Schale, das sich zum ganzen Gefäß ergänzen ließ (Abb. 1). Es besteht aus grau gebranntem, wenig gemagertem Ton und fügt sich auch von seiner Zusammensetzung und Machart her ganz der sogenannten Grobware der Bandkeramik ein. Auf vier etwa senkrecht stehenden relativ kurzen und plumpen Füßen ist eine fast waagerechte runde Platte aufgesetzt, die nur ganz schwach zur Mitte hin eingetieft ist. Man ist im Zweifel, ob eine extrem flache Schale oder eine waagerechte Platte angestrebt war, so daß man eigentlich gar nicht von „Gefäß" sprechen sollte.
Vierfüßige Gefäße sind in der Bandkeramik belegt, aber extrem selten. Es gibt unverzierte Töpfe („Rümpfe") mit vier unten umgebogenen Füßen, eine geradwandige verzierte Schale, gerade genug um das Vorhandensein zu belegen, viel zu wenige, als daß man sie für kulturtypisch erklären könnte. Ein genaues Vergleichsstück zum vorliegenden Fund ist mir nicht bekannt. Aus Baden gibt es eine Scherbe mit einem vergleichbaren Füßchen von Mannheim-Vogelstang, die aber eher zu einem richtigen Füßchengefäß zu ergänzen wäre. So stellt unser Fund eine Erweiterung des Bestandes an seltenen Formen innerhalb der Bandkeramik dar
Gerade solche seltenen Formen reizen zu der Frage nach ihrer Bedeutung im Kulturzusammenhang. Diese muß in jedem Fall eine besondere gewesen sein, da sie nicht zum Alltäglichen gehörte, das durch die regelhaft vorkommenden häufigen Kulturmerkmale bestimmt wird. Die Besonderheit eines solchen Stückes kann u. a. darin liegen, daß es aus einer anderen Kultur importiert oder einem dort üblichen Objekt nachgeahmt ist; sie kann aber auch darin liegen, daß Gegenstände innerhalb der Kultur nicht dem Alltäglichen zugeordnet, sondern auf seltene Verrichtungen bezogen waren, wie sie in jeder Gesellschaft im Zusammenhang mit Festen, Zeremonien, Kult begegnen. Wir sind daher als Archäologen geneigt, bei solchen „besonderen" Stücken ganz allgemein an den Bereich des „Kultes" zu denken, allein aus der Konfrontation zum Alltäglichen, Gewöhnlichen.