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E. Sangmeister - Archäologische Nachrichten aus Baden 1982/Heft 29 [antikvár]

Archäologische Nachrichten aus Baden 1982/Heft 29 [antikvár]

E. Sangmeister, G. Fingerlin, W. Pape

 
B. Grimmer Ein „Feuerbock" oder „Mondidol" aus Ton von Hötzingen Die Flurbereinigungsmaßnahmen der letzten Jahre boten der Denkmalpflege Gelegenheit, große Siedlungsareale in ihrer ganzen Ausdehnung zu erforschen. Viele neolithische Siedlungen wurden entdeckt, doch nur selten traf man auf bronze- oder urnenfelderzeitliche Ansiedlungen. Es zeigte sich, daß diese Siedlungen vorwiegend in Tallagen zu finden waren, die durch die Flurbereinigung kaum erfaßt wurden. In der Gemarkung Bötzingen konnte aber im Jahre 1971 im Zuge der...
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B. Grimmer Ein „Feuerbock" oder „Mondidol" aus Ton von Hötzingen Die Flurbereinigungsmaßnahmen der letzten Jahre boten der Denkmalpflege Gelegenheit, große Siedlungsareale in ihrer ganzen Ausdehnung zu erforschen. Viele neolithische Siedlungen wurden entdeckt, doch nur selten traf man auf bronze- oder urnenfelderzeitliche Ansiedlungen. Es zeigte sich, daß diese Siedlungen vorwiegend in Tallagen zu finden waren, die durch die Flurbereinigung kaum erfaßt wurden. In der Gemarkung Bötzingen konnte aber im Jahre 1971 im Zuge der Flurbereinigung „Lasen-berg" ein Siedlungsareal ausgegraben werden, in dem eine Anzahl von urnenfelderzeitlichen Gruben lag. Unter diesen Gruben fiel vor allem die Grube Nr. 71/43 auf, die neben Tierknochen und reichhaltigem keramischem Material einen fast vollständig erhaltenen Feuerbock enthielt. Der Feuerbock hat die Form einer langgestreckten Mondsichel auf drei kegel-stumpfförmigen hohlen Füßen. Seine größte Länge beträgt 37 cm, die Höhe in der Mitte des Rückens 10,5 cm und bis zu den Spitzen mißt er 17,5 cm Höhe. Die Farbe ist dunkelbraun bis schwarz, beide Seiten und die Füße sind geglättet und leicht poliert. Der Ton ist fein gemagert und mit wenig Augit versetzt. Eine Seite des Feuerbocks ist als Schauseite reich verziert, die andere Seite ist unverziert. Der Rücken ist zu beiden Seiten kurz abgestrichen; auf jeder Abschrägung verläuft eine Zickzacklinie, die kurz vor den Spitzen endet. Auch die Verzierung der Schauseite wird nicht bis zu den Spitzen fortgesetzt. Auf der Schauseite wird die Verzierung unterhalb der Zickzacklinie mit einem in doppelter Rille gearbeiteten weitgezogenen Mäander weitergeführt. Es folgt eine mit Schrägkerben verzierte plastische Leiste, die rechts und links von einem runden Eindruck begrenzt wird. Den Abschluß bildet eine Reihe von stehenden strichgefüllten Dreiecken. Die Spitzen des Feuerbocks werden durch je ein strichgefülltes Dreieck betont. Alle Ornamente waren wohl ehemals weiß inkrustiert. Die Füße werden vom Körper durch breite Rillen abgesetzt, die beiden äußeren durch je drei, der mittlere durch eine Rille. Betrachtet man die Rückseite, so fallt auf, daß die drei Rillen des linken Fußes je einmal in gestaffelter Folge durchbohrt sind. Diese Rillen enthielten wohl Einlagen (etwa in Form von Zinnfäden, die in den Löchern verknotet wurden). Diese Art der Einlagenverzierung ist im keramischen Material der Urnenfelderkultur der Schweiz und Südwestdeutschlands bekannt. Interessant ist, daß dieser Feuerbock einige für die Urnenfelderzeit signifikante Verzierungsmotive wie Mäander, Zickzacklinie, strichgefüllte Dreiecke und plastische Leiste mit Kerbzier zusammen auf seiner Schauseite aufweist. Er gibt auf einen Blick einen Überblick über den Motivschatz der Keramik dieser Zeitstufe. Im keramischen Material der Siedlungsgrube von Bötzingen findet man die Verzierungsmotive des Feuerbocks - Mäander, Dreiecke, Zickzacklinien - auf konischen Schalen wieder, die zur Feinkeramik zählen. Plastische Leisten sind für die Grobkeramik kennzeichnend. Feuerböcke aus Ton, wie dieses Exemplar aus Bötzingen, sind in der Schweiz und Südwestdeutschland besonders im Zusammenhang mit Ufer- und Landsiedlungen der Urnenfelderkultur zu finden. Sehr selten sind sie in diesem Gebiet als Grabbeigaben. Die häufigste Form der in Siedlungen gefundenen Feuerböcke ist der hier beschriebene mondsichelförmige Feuerbock. Sie können auch auf einer flachen Tonscheibe seitlich befestigt vorkommen oder lose auf einer solchen Scheibe stehen. Vom Burgberg bei Burkheim ist eine weitere Form bekannt. Sie besteht aus einer länglichen im Schnitt oft hufeisenförmigen Röhre, die an beiden Seiten von hohen Scheiben begrenzt wird. Seltener sind Exemplare, deren Spitzen tierkopfartig ausgebildet sind. Sehr unterschiedlich fällt auch die Deutung dieser sog. Feuerböcke in der Fachliteratur aus. Als „Mondidol" oder „Mondbild" bezeichnet, werden sie mit einer kultischen Mondverehrung in Zusammenhanggebracht. Auch als Firstziegel oder Nackenstützen versuchtemansiezudeuten.

Termékadatok

Cím: Archäologische Nachrichten aus Baden 1982/Heft 29 [antikvár]
Szerző: E. Sangmeister , G. Fingerlin W. Pape
Kiadó: Förderkreis für die ur- und frühgeschichtliche Forschung
Kötés: Tűzött kötés
Méret: 170 mm x 240 mm
E. Sangmeister művei
G. Fingerlin művei
W. Pape művei
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