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VORWORT
Seit Jahrhunderten beschäftigen die Ureinwohner der Neuen Weit durch märchenhafte und romantische Berichte die Phantasie der Europäer. Grausaml^eit und Edelmut halten sich in diesen Schriften die Waage. Namen wie Initas und Azteken tauchen auf, aber nur wenige wissen, wie kurz die Lebenszeit dieser beiden so imponierenden Staaten im Verhältnis zu den zahlreichen vorangegangenen Hochkulturen war. Beide waren nur die letzte Sprosse einer langen Leiter. Mitten in ihre Entwicklung kamen die Spanier und vernichteten diese in höchster Blüte stehenden Zivilisationen. Sie rissen die Fundamente der Kulturen so gründlich ein, daß bis zum heutigen Tage in Peru keine Anzeichen für eine Wiedererweckung zu spüren sind.
Getrieben von der Gier nach Gold und der Lust am Abenteuer leisteten die Eindringlinge Großes und Skrupelloses. Ihre Ausdauer und ihr Mut zwingen zur Bewunderung, ihre Verständnislosigkeit und Grausamkeit zur Verachtung. Nur wenige Männer, die im Heer dieser Abenteurer zogen, beachteten die geistige und kulturelle Größe der von ihnen unterdrückten Völker. Die wenigen Berichte, die von den ,,Neuen Inseln" in die Alte Welt kamen, beziehen sich ausschließlich auf die Beschreibung der Völker, mit denen die Spanier zusammentrafen. Häufig waren diese Landsknechte des Lesens und Schreibens unkundig. Von den fünf Spaniern, die Cuzco, die Hauptstadt des Inka-Reiches, zum ersten Male betraten und die den ,,Nabel der Welt" unversehrt und ursprünglich sahen, hinterließ kein einziger auch nur eine Zeile. In Mexiko lag der Fall ganz ähnlich. Nur Cortez und vier Männer aus seinem Heer berichteten uns von dieser fernen Welt. Die meisten Chronisten aus der ersten Periode der Kolonisation, vom spanischen Kaiser oder von der Kirche gesandt, waren nicht unparteiisch. Der indianischen Kultur standen sie ebenso verständnislos gegenüber, wie ihre Vorgänger, die Eroberer. Als Menschen der fanatischen Inquisition fehlte ihnen jedes Empfinden für die fremde Welt. Die Missionare wetterten in ihren Berichten gegen die Indianer und ergingen sich in Moralpredigten wider diese ,,Heiden", für deren plötzliches Erscheinen selbst die Bibel keine Erklärung gab.
Chronisten indianischen Bluts, darunter Garcilaso de la Vega, ein Sohn einer Inkaprinzessin und eines Spaniers, und der Indianer Huaman Roma de Ayala, dessen reich bebilderte Handschrift erst in unserem Jahrhundert in der Bibliothek von Kopenhagen auftauchte, wurden in die Opposition gedrängt und lobten die Inkas so übertrieben, daß ihre Berichte an manchen Stellen fast lächerlich klingen. Brauchbare Aufzeichnungen von den vorausgegangenen Kulturen finden sich in den alten Schriften nicht. Die katholische