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I, l'jIIMacht als Schicksal ist ein Geschenk der Götter aus der Büchse der Pandora. Die Macht zu erben war seit jeher ein Vorzug. Zwar schützt auch Legitimität nicht vor der Notwendigkeit, die Gewalttätigkeiten zu begehen, welche der Besitz der Macht erfordert; aber der Erbe kann doch wenigstens die Verbrechen vermeiden, welche den Erwerb der Macht begleiten. Alle alten Kulturen haben der Legitimität ein Charisma zuerkannt. Legitime Macht, selbst wenn sie nur eine Generation alt war, galt als gerechte Macht. Erst in der Französischen Revolution verblaßte dieser Glanz. Buonapartes Verbeugung vor der Apostolischen Majestät des Erzhauses Habsburg ist nur noch der Zynismus eines modernen Usurpators. Die Macht, die Alexander bei seiner Thronbesteigung von seinem Vater Philipp erbte, war legitim; die, welche er durch seine Kriegszüge erwarb, war es nicht. Der Makedone verwandte viel gelassene Toleranz und viel zurückhaltende Klugheit darauf, seiner Herrschaft über Persien in der Nachfolge der Achaimeniden den Charakter der Legitimität zu geben. Nachdem die Eroberung des Persischen Reichs abgeschlossen war, heiratete König Alexander Prinzessin Stateira, älteste Tochter des letzten Perserkönigs Dar-eios in. Ein Sohn aus dieser Ehe hätte die Legitimität für das ganze Weltreich in seiner Wiege vorgefunden. Die Ehe blieb kinderlos. Rhoxane, die erste Frau Alexanders, Tochter des Königs Oxyartes, eines Fürsten im Karakorum, ließ die unglückliche Stateira, als sie beide Witwen geworden waren, ermorden. Rhoxanes Motiv für diesen Mord war der Wunsch, ihr Sohn, den sie kurz nach Alexanders Tod gebar, möge als einziger Erbe der Legitimität übrigbleiben. Als Kassandros, Jahre später, Rhoxane zusammen mit diesem ihrem Sohn Alexandros umbringen ließ, war das Motiv des Mordes gerade die Vernichtung der Legitimität. Mit Alexandros erlosch das königliche Haus der Argeaden, dem Alexander der Große entstammte.Macht soll handeln und nicht reden, sagt Goethe in den Maximen und Reflexionen. Von den Männern, die Weltgeschichte machen, erfahren wir wenig über ihre Motive. Auf eines freilich verzichten sie nicht! Auch die Mächtigen der Erde haben seit jeher das Bedürfnis gehabt, ihre Maßnahmen moralisch zu begründen. Nicht nur der Besitz der Macht mußte gerecht sein; auch das Handeln mußte mit dem Willen der Götter übereinstimmen. Seit Sokrates wird das als sittliche Forderung empfunden. Der Briefwechsel, den König Alexander und König Dareios nach der Schlacht von Issos über die Beendigung der Feindseligkeiten führten, demonstriert in eindrucksvoller Weise, wie ernst diese Forderung genommen wurde.6