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Wolfgang Ullrich - Affen [antikvár]
 
w ie kann man mu-iVffen ernst iielnncn? Affen sind doch so lustig. Wenn wir im Zoologischen Garten vor ihrem Gehege stehen, müssen wir über die tolpatschigen Streiche dieser Vierhänder immer wieder lachen. Nein, ernst nehmen kann mau sie wahrhaftig nicht. AVarum eigentlich nicht? Weil sie uns wie Karikaturen des eigenen Ichs anmuten, deshalb lachen wir ilber sie. Deshalb ist wohl auch das Wort Affe zu einem Schimpfwort geworden. Wir sprechen von einer Affenliebe und meinen damit eine beinahe übertriebene Sorge um den Sprößling. Und...
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w ie kann man mu-iVffen ernst iielnncn? Affen sind doch so lustig. Wenn wir im Zoologischen Garten vor ihrem Gehege stehen, müssen wir über die tolpatschigen Streiche dieser Vierhänder immer wieder lachen. Nein, ernst nehmen kann mau sie wahrhaftig nicht. AVarum eigentlich nicht? Weil sie uns wie Karikaturen des eigenen Ichs anmuten, deshalb lachen wir ilber sie. Deshalb ist wohl auch das Wort Affe zu einem Schimpfwort geworden. Wir sprechen von einer Affenliebe und meinen damit eine beinahe übertriebene Sorge um den Sprößling. Und wenn jemand sich besonders hervorhebt, durch auffällige Kleidung und Benehmen erreichen will, daß er beachtet wird, dann sagen wdr, er sei äffisch. Wir sprechen von einer affenartigen Geschwindigkeit inid vom Nachäffen. Wenn man sich die Begriffe recht besieht, so ist nicht sehr viel Positives durch Abwandlung des Wortes yVffe in unseren Sprachschatz übergegangen. Ja, ein Hirsch oder ein Tiger oder gar ein Elefant, das sind Tiere, die man bewundert, von denen man mit einer gewissen Achtung spricht, aber ein Affe, was will das schon heißen. Wer denkt da nicht an den kleinen Rhesusaffen, der früher auf dem Leierkasten sitzend mit seinem Herrn von Hinterhof zu Hinterhof reiste. Er hatte ein buntes Fräckchen an, und wenn das Drehorgellied vorüber war, zog er manierlich den Hut und bedankte sich für die Geldstückchen, die man ihm zuw^arf. Er trug eine Kette um den Bauch. Mit ihr war er an den Leierkasten gefesselt. Vorsichtig hob er sie an, wenn er seine Purzelbäume schlug oder Handstand machte — der kleine Leierkastenaffe, über den jeder lachte und den keiner ernst nahm. Die ganz feinen Leute trugen damals, wenn sie ins Theater gingen, einen Pelzumhang aus Affenfell. Er bestand aus langen schwarzen Haaren, die einen seidigen Glanz hatten, und wurde von einem Saum weißer Piaare eingefaßt. Der Kürschnermeister sagte, es sei das Fell der Scheitelaffen, aber der zoologische Name dieser wunderschönen Tiere, die niemand lebend in Zoologischen Gärten gesehen hatte, hieß Guereza-Affe. Sie lebten in den Bergwäldern des Kilimandscharo und des Meru. Beinahe wären sie ausgestorben, weil sie zu Tausenden erschossen wiuxlen, ihres Felles wegen. Das haben die feinen l.eute nicht gewußt. Und wenn sie es gewußt hätten, es hätte sie sicher nicht gestört, denn schließlich bezahlten sie ja sehr viel Geld für einen Theaterumhang aus dem Fell der Scheitelaffen. 9

Termékadatok

Cím: Affen [antikvár]
Szerző: Wolfgang Ullrich
Kiadó: Neumann Verlag
Kötés: Félvászon
Méret: 170 mm x 250 mm
Wolfgang Ullrich művei
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