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DIE DEUTSCHE KLASSIK Auf den Sturm und Drang folgt in der Geschichte der deutschen Literatur eine kurze, aber sehr wichtige Zeitspanne, die auch weltliterarisch áu(3erst bedeutsam ist: die deutsche Klassik. Die klassischen Perioden der Nationalliteraturen sind meist kurz. Die Klassik bedeutet eine ásthetische Harmonie. Diese Harmonie hat gesellschaftliche Voraussetzungen, die für lángere Zeit nicht wirksam werden können. So ist es besonders in Deutschland. Nichts beweist das schlagender, als da{3 Goethe mitten in der klassischen Periode selbst die Möglichkeit einer solchen für Deutschland bezweifelt (Literarischer Sansculottismus). Die deutsche Klassik beginnt eigentlich nur 1794 mit der Zusammenarbeit Goethes und Schillers und dauert bis Schillers Tod im Jahre 1805. Etwas weiter ausgedehnt umfa|3t die Periode die Zeit von dér italienischen Reise Goethes (1786/88) bis zur Schlacht bei Jena, alsó bis zum Zusammenbruch Preujöens (1806). Der politische Hintergrund ist die Franzősische Revolution, ferner der Aufstieg Napoleons. Die sozial-psychologische Grundlage ist dei neue Weltzustand, der von der Revolution geschaffen wurde. Die Grundhaltung der deutschen Klassik ist ásthetisch-kontemplativ. Sie ersetzt in Deutschland die fehlende politische Tat. In Deutschland kann es zu keiner revolutionaren Umwálzung kommen, weil die Voraussetzungen dafür fehlen. - Die politischen Probleme, in Paris revolutionar-handelnd gelöst, werden von Goethe und Schiller ins rein Ideelle übersetzt. (Lukács. ) Egmont und Don Carlos behandeln das Thema Revolution, Wallen' -' i!iii/ stein, Die Jungfrau von Qrleans und Wilhelm Teli wichtige nationale Begebenheiten, ja zum Teil den Vorgang der Nationwerdung. Wilhelm Meisters Lehrjahre propagieren mit die Kapitalisierung der Landwirtschaft. Weltanschaulich erscheint die deutsche Klassik den christlichen Dogmen bereits enthoben, aber doch "religiös" im Sinne eines Deismus oder Pantheismus. In mancher Hinsicht bedeutet die Klassik eine Synthese zwischen álterer Aufklárung und Sturm und Drang. Nach der Rousseauschen Kuiturfeindlichkeit finden wir hier eine Kulturverklárung. Der Gegensatz Natúr - Vernunft wird vom spáteren Herder aufgehoben, indem er beweist,