Bővebb ismertető
Einleitung
„Eine einzige Liebe, die Liebe zur Natur, hat mein Leben bestimmt."
Rodin
Eine kurze Stunde habe ich eben im Garten verbracht, allein in der milden Wärme eines frühen Apriltages. Das ist nach einem langen und in einiger Hinsicht wohl dunklen Winter gewesen. Manches von jenem Dunklen ist auch geblieben. Aber um so stärker empfindet man nun solch andere Stunde. Da ist jene erste, noch etwas zaghafte Wärme, die man wie mit allen Poren des Körpers spürt. Der gelegentliche kühle Wind macht sie nur noch bewußter. Da sind Laute, die zu einem dringen, das Öffnen eines Fensters, singende Kinder im Nachbargarten, ein in der Ferne rollender Zug. Dies alles fühle und höre ich, und es erfülh mich mit einer großen Freude. Aber am schönsten bleibt das, was ich sehe, die Formen, die Farben, das Licht. Das Licht vor allem! Noch wenn man die Augen schließt, nimmt man es wahr. Denn dann dringt es rötlich durch die Lider und strömt bis nach ganz Innen. Man weiß das Licht sozusagen, und wenn man plötzlich erblmden müßte, man würde es nicht vergessen haben. — Um mich aber sind die Bilder. Da ist ein starker dunkler Ast, der sich vielfach verzweigt. An den Ausstrahlimgen sitzen helle, lichtgrüne Punkte. Seltsam, daß an dem schwarzen Holze noch so ganz verschiedenartige Lichter und Schatten sind. Auch die kleinsten Zweige behalten ihre Konturen, tmd die leichtgeöffneten Knospen heben sich leuchtend vom Holze ab. Das innere Leben aber erhält alles erst durch den Hintergrund, einen getönten, zwischen durchsichtigem Blau und schimmerndem Weiß wechselnden Himmel. Dies alles sehe ich eine Weile. Dann schließe ich die Augen wieder. Aber das Erfahrene steht in mir. Vor dem iimeren Gesicht füllt es einen Raum, der begrenzt ist tmd welchen ich genau weiß. Der Zweig fällt von oben leicht in die Diagonale eines Quadrates. Durch das Licht, welches ihn so vielfach umspielt, hat er eine verhaltene Plastik, die sich nur ein wenig über die Flächigkeit des Hintergrundes hebt. Unten rechts, wo der große freie Raum ist, da schwebt ein Fetzchen Wolkenweiß, berührt leicht die dunklen Zweige und zieht sie hinein in die Bewegung, in das Dasein eines inneren und größeren Zusammenhanges. Denn das ist das Entscheidende und das, was mich in diesem Augenbück so sehr verfuhrt: hier ist Leben, Leben in einen strengen und notwendigen Zusammenhang gebracht und dort gehalten. Dies ist ein Bild, so, wie ich eines schaffen möchte. — Ich weiß auch sicher, ich brauchte an einem solchen Lichttage wie dem heutigen und in einer Stunde, in welcher ich mich so bereit fühle wie in dieser, nur die Augen wieder zu öffnen und ich würde andere, ähnhche Bilder wahrnehmen. Wieder vrärden sie mir in mein inneres Denken nachgehen. Vielleicht wäre es die hohe Magnolie, die da steht, die fast strenge und durchaus geschlossene Gestalt aus Stamm und hundert Ästen, die nun so wundersam durchsetzt ist mit dem elfenbeinartigen Weiß der festen kelch-förmigen Blüten, Jenes Wesen, das aus der Erde kommt, durch einen kräftigen Stamm an sie gebunden ist und sich doch auch wie ein starkes Bekenntnis zu Frühling und Schönheit über die dunkehote Backsteinmauer in den Himmel reckt. — Vielleicht aber vrärde ich auch auf das große Steinbeet verfallen. Dort blühen die ersten Küchenschellen, und ihre starken blauvioletten Blüten strahlen samten und