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»Das Goethehaus ist wegen Überfüllung vorübergehend geschlossen. Bitte besuchen Sie zunächst das Wittumspalais oder das Kirms-Krackow-Haus.« - Verwundert, kopfschüttelnd haben zahlreiche der oft weitgereisten Besucher an manchen Tagen im Herbst des Jahres 1974 vor diesem Schildchen gestanden, das ihnen den Zutritt zu Goethes Wohnhaus am Frauenplan und dem Museum versperrte. Je nach Temperament nahmen die einen die empfohlenen Vorschläge an und machten sich so mit der Wohnkultur, der häuslichen Atmosphäre der Goethezeit vertraut. Andere schlenderten vielleicht durch die Straßen und winkligen Gassen der Altstadt oder wanderten zum Park an der Ilm, zu Goethes Gartenhaus oder zur Goethe-und-Schiller-Gruft auf dem historischen Friedhof. Manche fanden dabei das verträumte ehemalige Hofgärtnerhaus, in dem Franz Liszt viele Jahre wohnte, oder entdeckten den Van-de-Velde-Bau der Hochschule für Architektur und Bauwesen, der an die Jahre des Staatlichen Bauhauses erinnert. Wieder andere erfreuten sich an den Schätzen der Weimarer Kunstsammlungen oder den zahlreichen schönen Renaissancebauten und mancherlei anderen architektonischen Besonderheiten.
Für alle Gäste jedoch darf gelten, daß sie schließlich erlebnismüde, voller neuer Erkenntnisse und einmaliger Eindrücke die Stadt an der Ilm wieder verließen, die 1975 den 1000. Jahrestag ihrer ersten urkundlichen Erwähnung beging.
Vor zehn Jahrhunderten, am 3. Juni 975, tauchte der Name Weimar zum erstenmal in einer Urkunde auf. Kaiser Otto II. hatte nach »Wehmare« zu einem Fürstentag eingeladen. Damit und mit einer am gleichen Tage in
»Wimares« gesiegelten Urkunde trat Weimar in die Geschichte ein. »Winmar«, »Wimmer« oder »Wimar« war eine der ältesten Siedlungen in Thüringen. Nach dem, was Archäologen und Historiker berichten, gehörte zu dieser Siedlung eine Burg auf der leichten Anhöhe über der Ilm, dort, wo noch heute das Schloß steht, und eine Fronhofsiedlung im Gebiet um die heutige, schon 1168, wenn auch in anderer Gestalt, erbaute Jakobskirche. Im Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens belegen zahlreiche Funde aus den Travertin- und Kalkvorkommen in Weimar, Ehringsdorf und dem nahe gelegenen Taubach, daß das Stadtgebiet schon Jahrtausende zuvor besiedelt war, daß Menschen der Urgesellschaft hier wohnten und sich im Kampf mit ihrer Umwelt bewähren mußten. Gegründet wurde die Stadt Weimar jedoch erst um 1250. 1253 berichtete eine Urkunde zum erstenmal von einem »Bürger« Weimars, 1254 wird erstmalig von der »Stadt« Weimar gesprochen. Um diese Zeit etwa dürfte auch im Burgviertel der Bau der Kirche zu St. Peter und Paul, der heutigen Herderkirche, abgeschlossen worden sein. Um die Bedeutung des Namens der Stadt ist viel gestritten worden. Die einen wollten darin »wendische Mark«, die anderen »geweihte Mark« oder gar »Weinmarkt« erkennen. Für richtiger kann man wohl in Anlehnung an eine mögliche vorchristliche Kultstätte, an das Sumpfgebiet der Ilmniederung oder an einen See, dessen spärliche Reste vielleicht im Gebiet des heutigen »Schwanensee-Bades« und Weimarhallentciches zu suchen sind, »Weidemoor« oder »geweihtes Moor«, »heiliger Teich« oder »heiliges Gewässer« halten.