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Von Baronen und Branntweinern [antikvár]

Von Baronen und Branntweinern [antikvár]

 
Martha Keil Von Baronen und Branntweinern. Der jüdische Friedhof in Währing erzählt Persönliches zur Einleitung Ebenfalls »Zugereiste«, wie die meisten auf dem Währinger jüdischen Friedhof Ruhenden, zog meine Familie aus einem Dorf in Niederösterreich in eine etwas düstere Altbauwohnung in der Weitlofgasse im 18. Wiener Gemeindebezirk. Der Schock war groß. Wir waren Landkinder, an einen großen Garten und viel Bewegungsfreiheit gewöhnt, und nun machte ich meine Hausaufgaben im einzigen Zimmer, und meine Brüder tobten beim...
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Martha Keil Von Baronen und Branntweinern. Der jüdische Friedhof in Währing erzählt Persönliches zur Einleitung Ebenfalls »Zugereiste«, wie die meisten auf dem Währinger jüdischen Friedhof Ruhenden, zog meine Familie aus einem Dorf in Niederösterreich in eine etwas düstere Altbauwohnung in der Weitlofgasse im 18. Wiener Gemeindebezirk. Der Schock war groß. Wir waren Landkinder, an einen großen Garten und viel Bewegungsfreiheit gewöhnt, und nun machte ich meine Hausaufgaben im einzigen Zimmer, und meine Brüder tobten beim Räuber-und-Gendarm-Spielen um mich herum. Die Befreiung aus der Enge lag jenseits der Gasse, die wir anfangs noch nicht alleine überqueren durften: im Währinger Park mit dem damals noch recht bescheidenen Spielplatz, aber langen Wegen zum Radfahren, einer kleinen Böschung zum Rodeln, einem großen Baum als Leseplatz und Spielkameraden aus der Umgebung - ein fast vollwertiger Ersatz für das freie Landleben. Dass der ganze Park einst ein Friedhof war, wussten wir nicht, aber dass ein solcher hinter der Mauer neben dem Spielplatz lag, fanden wir bald heraus. Ich bin nicht sicher, ob ich schon damals wusste, dass dieser wilde Ort jüdische Gräber beherbergte, aber irgendetwas daran war seltsam und geheimnisvoll. Man konnte an manchen Stellen die Mauer hochklettern, und ich sah oft mit einem Gefühl von Schaudern hinüber; ich bildete mir ein, ich hätte in diesem Gewirr von Grabsteinen und Pflanzen Knochen liegen sehen. Das war kein normaler Friedhof mit ebenen Kieswegen, gepflegten Gräbern mit Blumen und Kerzen und regelmäßigen Besuchen von Angehörigen. Es war ein unheimlicher Ort mit großen Bäumen, deren Äste bis auf den Boden hingen, verwucherten und umgestürzten Grabsteinen und verwachsenen Wegen. Ich, mit meinen sechs, sieben Jahren, erwartete jederzeit die Erscheinung eines Totengeistes, und die Mischung aus Furcht, Neugierde und Faszination kann ich noch heute in mir nachspüren. Viele Jahre später erhalte ich nun als Historikerin mit Fachgebiet jüdische Geschichte die Einladung, einen Bildband zu diesem Friedhof meiner Kindheit herauszugeben. Schon während meiner beruflichen Tätigkeit begegnete ich dem Währinger jüdischen Friedhof wieder: Das Institut für Geschichte der Juden in Österreich, dessen stellvertretende Direktorin ich damals war, betreute in den Jahren 1997 bis 2001 ein umfangreiches Sozialgeschichteprojekt unter der Leitung von Mag. Tina Walzer, das auf der Grundlage des Gräberbuchs, der Grabsteininschriften, der Totenbeschauprotokolle und anderer historischer Quellen die Lebensbedingungen der auf diesem Friedhof

Termékadatok

Cím: Von Baronen und Branntweinern [antikvár]
Kiadó: Mandelbaum Verlag
Kötés: Fűzött keménykötés
ISBN: 9783854761310
Méret: 200 mm x 270 mm
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