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Edgard Haider - Verlorenes Wien [antikvár]
 
Vorwort „In unserer Welt hat die Schönheit seit geraumer Zeit keinen Platz mehr; weder als Wert noch als philosophischer Begriff noch als politische Kategorie genießt sie das geringste Ansehen."^ Diese lakonische Feststellung aus der Feder eines Wiener Stadtrates mag auf den ersten Blick verblüffen und zum Widerspruch reizen. Das soll ausgerechnet auf Wien zutreffen, dessen architektonische Schönheit weltberühmt ist und jährlich Hunderttausende Touristen anlockt? Sind nicht die Reiseführer randvoll mit Beschreibungen all der...
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Vorwort „In unserer Welt hat die Schönheit seit geraumer Zeit keinen Platz mehr; weder als Wert noch als philosophischer Begriff noch als politische Kategorie genießt sie das geringste Ansehen."^ Diese lakonische Feststellung aus der Feder eines Wiener Stadtrates mag auf den ersten Blick verblüffen und zum Widerspruch reizen. Das soll ausgerechnet auf Wien zutreffen, dessen architektonische Schönheit weltberühmt ist und jährlich Hunderttausende Touristen anlockt? Sind nicht die Reiseführer randvoll mit Beschreibungen all der Sehenswürdigkeiten, die Wien trotz aller Verheerungen der Kriegsfurie auch heute noch sein unverwechselbares Gepräge geben? Und ist nicht gerade in jüngster Zeit mit Hilfe von Schutzzonen und Altstadterhaltungsfonds viel geschehen, um das historische Erbe zu bewahren? Dies trifft sicherlich alles zu! Aber gerade die noch vorhandene Fülle an architektonischer Schönheit verleitet nur allzu leicht dazu, über den Verlust, den diese Stadt erlitten hat, bewußt oder unbewußt hinwegzusehen. Die gängige Wien-Literatur schweigt im allgemeinen dar- ' Presse vom 7./8. Jänner 1984, Jörg Mauthe, Die Wiederkehr des Schönen. über. Es war daher meist purer Zufall, wenn ich — Angehöriger der Nachkriegsgeneration — gelegenthch entdeckte, daß sich an dieser oder jener Stelle, an der heute ein Wohn- oder Bürohaus steht, ein wertvolles Gebäude befand. Meine Neugierde war geweckt, und so begab ich mich auf die Suche nach dem verlorenen Wien. Ein Thema von ungeheurer Vielfalt! Vor allem die verschwundenen Paläste reizten mich. Was ich im Laufe der Zeit über sie herausfand, schien mir so interessant, daß es einer Gesamtdarstellung wert sei. Denn das Wissen um diese schönen Bauten ist in der Öffentlichkeit bis auf wenige Ausnahmen nicht vorhanden, und selbst bei den Palais, die erst in der Nachkriegszeit verschwunden sind, versinkt bereits ihre Existenz am Horizont des Bewußtseins. Wenn von ihnen schon kein Stein auf dem anderen geblieben ist, so soll ihnen wenigstens das Schicksal erspart werden, gänzlich vergessen zu sein; Das ist das Anliegen meines Buches. Der Anblick der Bilder jener endgültig verlorenen Erlesenheit in Stein und Interieur mag Beweis genug sein, daß Wien hier einen enormen Substanzverlust hinnehmen mußte, besonders wenn man vergleicht, was sich heute an diesen Stellen meist an Ausdruckslosigkeit und brutaler Häß- lichkeit breit macht. Es wäre freilich ungerecht, dieses Phänomen einzig unserer Zeit anzulasten. So wie das Barock eben nicht zimperlich mit den Werken der Gotik umging, so wenig hielten sich die Epochen von Josephinismus und Gründerzeit in der Behandlung barocker Kunst zurück. Dies ist auch der Grund dafür, warum sich dieses Buch nicht nur mit den „Opfern" unserer Tage, sondern auch mit den Bausünden vergangener Epochen beschäftigt. Eine zeithche Eingrenzung soll es ganz bewußt nicht geben! Einzig die Zahl der Objekte macht es erforderlich, das Buch auf die inneren Bezirke Wiens zu beschränken. Und auch hier war es notwendig, nur die wichtigsten Paläste zu berücksichtigen. Wir wären bei manchem der angeführten Objekte heute stolz und froh, hätten rücksichtsloses Profitdenken und Ver-ständnislosigkeit gegenüber den Leistungen vergangener Generationen nicht den Sieg davongetragen vor dem in der Bundeshymne offiziell besungenen „Volk begnadet für das Schöne". In dieser Hinsicht will sich das Buch auch nicht als larmoyante Auseinandersetzung mit un-wiederbringUch Verlorenem verstanden wissen, sondern als Beitrag zu der Hoffnung, daß Schönheit den ihr zustehenden Stellenwert — gerade hinsichtlich

Termékadatok

Cím: Verlorenes Wien [antikvár]
Szerző: Edgard Haider
Kiadó: Böhlau Verlag G.m.b.H.
Kötés: Fűzött keménykötés
ISBN: 2205072200
Méret: 220 mm x 250 mm
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