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Torgau [antikvár]
 
Wohin faiiren Sic?« »Nach Torgau.« »Lohnt sich das denn auch?« Wer von einer Stadt mehr als nur den Bahnhof kennt, aber selbst noch nicht in ihren Mauern weilte, verbindet mit Ihrem Namen oft Vorstellungen aus zweiter Hand. Torgau! Wer denkt da nicht sofort an jenen Preußenkönig, der eine seiner blutigsten Schlachten vor den Toren der Stadt auf den Höhen bei Süptitz schlug? An Kasernen und Exerzierplätze, an Festungsgräben und Bastionen, an die Nutznießer der Kriege und ihre Opfer? Doch schon hier müssen wir uns fragen: War...
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Wohin faiiren Sic?« »Nach Torgau.« »Lohnt sich das denn auch?« Wer von einer Stadt mehr als nur den Bahnhof kennt, aber selbst noch nicht in ihren Mauern weilte, verbindet mit Ihrem Namen oft Vorstellungen aus zweiter Hand. Torgau! Wer denkt da nicht sofort an jenen Preußenkönig, der eine seiner blutigsten Schlachten vor den Toren der Stadt auf den Höhen bei Süptitz schlug? An Kasernen und Exerzierplätze, an Festungsgräben und Bastionen, an die Nutznießer der Kriege und ihre Opfer? Doch schon hier müssen wir uns fragen: War das alles? Können wir nicht auch Liebenswertes entdecken, aus heutiger Sicht wertvolle Entwicklungstendenzen aufspüren? Wir werden bestimmt so etwas finden, überlagert zwar von Vorurteilen und oft vergessen, doch ein Teil des geschichtlichen Werdens, Abbild der ökonomischen Entwicklung und der geistigen Strömungen der Zeit, bleibendes Zeugnis und überkommenes Erbe der dabei wirksam werdenden historischen Kräfte und Ergebnis des Fleißes und der Tüchtigkeit der arbeitenden Menschen. Eine kleine Stadt wie Torgau bietet hier Zusammenhänge konzentriert auf engstem Raum an und macht sie überschaubar. Sie hat die Örtlichkeit vergangener Begebenheiten als Teil der Wirklichkeit bewahrt, macht so Geschichte sichtbar und erlebbar und vermittelt dem Besucher das Gefühl eines persönlichen Dabeiseins, doch mit Goethes weiser Einschränkung, daß man immer nur soviel sieht, wie man weiß. Die architektonische Visitenkarte der Stadt ist das Schloß Hartenfels. Lucas Cranach, Matthäus Merian und Wilhelm Dilich hinterließen uns ihre klassischen Darstellungen von dem wuchtigen Bauwerk, das mit seinen Türmen noch heute das Stadtbild weithin beherrscht und jeden, der sich der Stadt nähert, unwiderstehlich in seinen Bann zieht. Doch wir verweilen erst einmal auf einer Bank in einer weiträumigen Parkanlage am Rande der Stadt. Viele Städte besitzen einen Stadtpark, Torgau hat sein Glacis. Dieser Begriff der Festungsbaukunst bezeichnet das vom äußeren Rand des Festungsgrabens flach ins Vorfeld abfallende Gelände. Dort wurden in Kriegszeiten die sonst hier stehenden Büsche und Bäume geschlagen. Die so entstandene kahle Fläche bot freies Schußfeld und wurde noch zusätzlich durch Palisaden, Verhaue und Wolfsgruben gegen einen Angriff gesichert. Nach der Entfestigung wurde dieses Gelände in eine Parkanlage umgewandelt. Sie führt in einem Halbkreis um die Stadt, lehnt sich an die Elbe an und wird dort fortgesetzt durch die Uferpromenade. Die breiten Wege folgen dem sternförmigen Grundriß der früheren Festung, schlängeln sich durch einen alten, wertvollen Baumbestand, führen entlang an zahlreichen Ruhebänken, Vogelschutzgehölzen, Spielplätzen. Auch die Mahnmale an die Opfer vergangener Kriege sowie einen sowjetischen Ehrenfriedhof finden wir hier. Das Glacis wurde für die Bürger zu einem leicht erreichbaren Naherholungsraum. Froher Kinderlärm auf Parkwegen und Wiesen, die älteren Bürger sieht man dort bei einem gemütlichen Plauderstündchen, Läufer erfüllen ihr Sportpensum, und am Abend stellen sich die Liebespaare ein. Kaum einer seiner Besuclier ist sich des ehemals kriegerischen Verwen-dungszwecl« dieses Platzes bewußt, und auch wir sind froh, hier weder Palisaden noch Wolfsgruben zu finden, denn jeder, der in die Stadt will, muß nach wie vor das Glacis überwinden. Alle Straßen, die in Torgau bergan führen, enden auf dem Markt, dem höchsten Punkt eines die Elbe überragenden Porphyrhügels. Hier oben müssen wir uns den befestigten und periodisch besuchten Rastplatz der Fernhändler vorstellen, der von der slawischen Bevölkerung der näheren Umgebung »torgowy«, Handelsplatz, genannt wurde. 973 wird er in

Termékadatok

Cím: Torgau [antikvár]
Kiadó: VEB F. A. Brockhaus Verlag
Kötés: Varrott keménykötés
Méret: 160 mm x 230 mm
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