Bővebb ismertető
Das 20. Jahrhundert ist ein Zeitalter großer Entdeckungen, auch In der Tanzkunst. Die unermeßlich reichen Schätze der Tanzfolklore aller Erdteile, zu Beginn unseres Säkulums in Europa so gut wie unbekannt, wurden innerhalb weniger Jahrzehnte zu großen Teilen erschlossen. Das erste Auftreten von Tänzern und Instrumentalisten aus Südostasien auf der Pariser Weltausstellung 1889 war eine Sensation. Gewiß hatten spanische Tänzerinnen und Tänzer schon während des ganzen 19. Jahrhunderts in vielen Ländern Europas und auch in Nordamerika den Volkstanz ihrer Heimat verbreitet, aber erst seit dem Auftreten Antonia Argentinas vor dem ersten Weltkrieg und durch eine in den dreißiger Jahren einsetzende Invasion spanischer Tanzkünstler wurde der ganze Reichtum der iberischen Tanzfolklore entfaltet. Eine Tanzgruppe des Kaisers Sisowath von Kambodscha erregte Anfang der zwanziger Jahre in Paris Aufsehen. Aus China kam Mei Lan-fang als hervorragender Repräsentant der klassischen Pe-king-Oper. Uday Shankar gab mit seiner Gruppe erste Einblicke in die unerschöpfliche Vielfalt des indischen Tanzes. Raden Mas Jodjana verbreitete die edle Größe des klassischen javanischen Tanzes. Aus Japan kamen Ishii und Shisue Fujima, aus Korea Sai Sho-kl (Sol Syn Chi), aus dem Iran Nahi und Medjid Rezvani, aus Jamaika Berto Pasuka, Oskomon trat mit einer Gruppe indianischer Tänzer auf.Kurz vor dem zweiten Weltkrieg erzielten drei sowjetische Ensembles einen Durchbruch: Das zentrale Ensemble für Gesang und Tanz der Sowjetarmee unter Leitung von Alexander Alex-androw, die Tanzgruppe des Staatlichen Russischen Pjatnitzkl-Chores und vor allem das 1937 von Igor Moissejew gegründete sowjetische Volkstanzensemble gestalteten die russische und ukrainische Tanzfolklore und die Tänze vieler anderer Völker der Sowjetunion so mitreißend, vital, neuartig und umfassend, daß damit ein ganz neues Genre der Tanzkunst geschaffen wurde: das Volkstanztheater oder, wie man es zuerst in Frankreich nannte, das folklorlstische Ballett oder Folkloreballett.Nach dem zweiten Weltkrieg erschlossen viele andere sowjetische Ensembles verschiedener Unionsrepubliken vom Kaukasus und den baltischen Republiken bis nach Sibirien, Mittel- und Ostasien die Vielfalt der Tanzfolklore. Nach diesen Vorbildern wurden in den jungen sozialistischen Ländern Osteuropas und Ostasiens zahlreiche neue Gesangs- und Tanzensembles gegründet. Die Volkskunst dieser Länder, von der Deutschen Demokratischen Republik im Westen bis nach Korea und Vietnam im Osten, erlebte eine Renaissance. In den fünfziger und sechziger Jahren wurden mit dem Zusammenbruch des Kolonialsystems und dem Aufbau junger Nationalstaaten In vielen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas weitere nationale Tanzensembles gegründet. Heute treten eine große Zahl solcher Volkstanzgruppen als Botschafter ihrer Traditionen in vielen Ländern der Welt auf. Diese weltweite Bewegung der bühnenmäßigen Gestaltung von Volkstänzen hat ihre Ursachen In den grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen unseres Jahrhunderts. Sie wirft für die Volkskünstler wie auch für die Ballettkunst viele neue Probleme auf, die sich schon In dem widerspruchsvollen Begriff Folkioreballett dokumentleren.