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MAINZ, DIE ALTE AUREA MOGUNTIA
Als am 27. Februar 1945 die große Zerstörung mit ungeahnter Wucht über Mainz hereinbrach, schien das Ende eines kunstvollen, im Laufe der Jahrhunderte gewachsenen und oft bedrohten städtischen Gefüges mit seinen Straßen und Gassen, Häusern L
und Höfen, Kirchen und Palästen gekommen zu sein. Inzwischen L^
ist die Stadt aus Trümmern und Brandschutt wiedererstanden. Ob sie dabei wie ein Phönix aus der Asche aufgestiegen ist, das können erst die nachfolgenden Generationen entscheiden, die mit anderen Augen sehen werden als diejenigen, die noch persönlichen Anteil an der untergegangenen Stadt gehabt haben. Ich, der ich in Mainz geboren bin und viele Jahre darin gelebt und das Stadtbild vor der Zerstörung gekannt habe, empfinde bei aller Freude über den Wiederaufbau deimoch ein leises Weh über so vieles unwiederbringlich Verlorene, womit nicht nur die Objekte als solche gemeint sind, sondern mehr noch die sie einhüllende eigenartige Atmosphäre — resultierend aus gewachsenem Bezug und verquickt mit dem damaligen Leben.
»Und selbst wo noch die alten Steine stehen. Sind es nicht mehr die altvertrauten Gassen «
(Carl Zuckmayer)
Zwar ist es nicht das erste Mal gewesen, daß eine kriegerische Katastrophe an die Existenz dieses Gemeinwesens gerührt hat, denn die Natur selbst schien der Lage dieses Platzes ein bedrohliches Los geworfen zu haben. Ist er doch seit Urzeiten an einem Kreuzungspunkt großer Völkerstraßen gelegen, wie es auch die vor einigen Jahrzehnten »Am Linsenberg« gemachten Funde einer Raststätte altsteinzeitlicher Jäger beweisen, die neben Steinwerkzeugen die Fragmente zweier weiblicher Idolfiguren enthielt; so haben bereits vor zwanzigtausend Jahren Menschen, wenn auch nur vorübergehend, hier einen Halt gemacht.