Bővebb ismertető
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I f.
Werner A. Widmann
Land vor den Alpen
»Das längst Befürchtete ist eingetroffen, der Schlag ist gefallen - das bayerische Hochland ist fashio-nabel geworden! In Schliers gibt es bereits Mark-gräfler mit Sodawasser und das Pfund Forellen um 1 Gulden 30 Kreuzer; in Tegernsee ringen fremde Prinzen, Wiener Equipagen und Pariser Toiletten wetteifernd um die Aufmerksamiceit eines auserlesenen Publicums. An den Tabledehôten findet sich allenthalben jene vornehme, schweigsame Gesellschaft, die immer den Eindruck macht, als könne keines das andere ausstehen, als möchte jeder den Nachbarn wenigstens nach Helgoland oder in die Pyrenäen verwünschen.«
So läßt sich der Schriftsteller Ludwig Steub (1812-1888) ziemhch satirisch über die Anfänge des Fremdenverkehrs im bayerischen Alpen- und Voralpenland aus. Er selbst mußte sich zwar auch oft an den damals üblichen Gemeinschaftstisch, die »Table d'hôte«, setzen, doch wanderte er ansonsten lieber von Almhütte zu Almhütte, wußte die Gastfreundschaft von Sennerinnen und Sennern zu schätzen und sah und erlebte alles, was er dann vor allen Dingen in seinen »Drei Sommern in Tirol« zusammengetragen hat. Seine obigen Bemerkungen wurden übrigens 1869 veröffentlicht.
»Fremde Prinzen« finden sich hin und wieder noch immer an den mondäneren Plätzen des bayerischen Alpenlandes ein und »Pariser Toiletten« ebenso. Und die »Wiener Equipagen« haben auch ihre heutige Entsprechung auf den vornehmeren Parkplätzen. Exklusivität hingegen ist schwierig geworden und kann sich heute eher im abseits gelegenen, absoluten »Geheimtip« eines
Bauernhofurlaubs verwirklichen als im Nobelhotel. Und kam man zu Steubs Zeiten noch zu Hunderten, so strömt es heute zu Zehn- und Hunderttausenden den bayerischen Bergen entgegen. Und wer da meint, er könnte als einsamer Sonderling unter der Regenpelerine fürbaß wandern, hat nicht einkalkuliert, daß heute jedermann seine Regenhaut dabei hat und viele es als »Abenteuerurlaub« empfinden, wenn sie Wind und Wetter trotzen. Das soll nun nicht heißen, daß man im südlichen Oberbayern im Schulterschluß zu wandern hat. Wer Einsamkeit sucht, findet sie schon.
In diesem Buch soll mit dem »Land vor den Alpen« fast ausschließlich die oberbayerische Region südlich einer Linie München-Burghausen gemeint sein, die grüne Moränenhügelwelt vor dem bayerischen Gebirg und die Gebirgszüge zwischen dem Watzmann im Berchtesgadener Land und jener Felsenhöhe, die das Schloß Neuschwanstein bei Füssen trägt; denn jenseits des Lechs beginnt spätestens das Allgäu, und ostwärts der Berchtesgadener Alpen ist gar Ausland, das liebe österreichische Land Salzburg. Zwischen Lech und Salzach wollen wir uns also umschauen, wo es an lohnenden Zielen nicht fehlt, ob das nun der Chiemsee ist, das »Bayerische Meer«, oder die Zugspitze, Deutschlands höchster Berg, ob es sich um einen einsamen Bauernhof inmitten seiner Viehweiden oder ein Königsschloß handelt.
Heute muß man nicht mehr fragen, was so viele Menschen ihren Urlaub oder auch nur ihr freies Wochenende im südlichen Oberbayern verbringen läßt. Die Natur liebt man längst, um