Bővebb ismertető
Görlitz ist eine heitere Stadt, und heiter ist auch die offene Landschaft, die sie umgibt. Im Norden lockt das liebliche Tal des Weißen Schöps mit seinen schmucken Dörfern, von Westen grüßt das grüne Waldmassiv der Königshainer Berge, und wer den Blick nach Süden wendet, sieht die sanftgeschwungenen Basalthügel von Jauernick. Die Formen der Landschaft sind so harmonisch geordnet, daß man glaubt, in einem Park zu sein. Nur eine Form unterbricht das ruhige Gleichmaß: Die Landeskrone, das Wahrzeichen von Görlitz, wächst so jäh aus der Ebene empor, als habe hier eine gewaltige Faust die Erdkruste durchstoßen. Vom Gipfel dieses 420 Meter hohen Vulkankegels bietet sich ein wunderschöner Blick auf die Stadt. Je länger wir schauen, desto deutlicher erkennen wir, daß sich Görlitz in mancher Beziehung von anderen deutschen Städten unterscheidet. Die Altstadt mit ihren vielen spitzen Türmen liegt zum Beispiel nicht, wie es sonst meist der Fall ist, im Zentrum des Gemeinwesens, sondern an seiner nordöstlichen Peripherie; sie hat, von der Höhe der Landeskrone aus gesehen, fast den Charakter eines Vorortes. Als nächstes fällt uns die dichte Bebauung jener Viertel auf, welche zwischen der Altstadt und dem Bahnhof liegen. Selbst aus der Ferne wirkt dieser Teil von Görlitz nicht gerade freundlich. Man sieht es ihm an, daß er rasch und lieblos gebaut worden ist. Nachdem es der Stadt in ihren alten Mauern zu eng geworden war, strebte sie zur Bahnlinie, in deren unmittelbarer Nähe sich große Industriebetriebe angesiedelt hatten. Im Süden der Altstadt, in der Gegend um den Stadtpark, wandelt sich das Bild. Wir nehmen deutlich wahr, daß dieses Viertel viel weiträumiger und lockerer gegliedert, dazu mitmehr Grün durchsetzt ist als die Gegend zwischen Lutherplatz und Jakobstraße. Die untergegangene spätbürgerliche Gesellschaftsordnung mit ihrer scharfen Klassenspaltung hat hier ihre Spuren hinterlassen. Behagliches Wohnen in der Nähe eines Parkes war einst das Privileg der Bourgeoisie und ihrer intellektuellen Domestiken.Es ist eine sonderbare und in dieser klaren Form selten anzutreffende städtebauliche Dreiteilung: im Nordosten die Altstadt mit ihren winkligen Gassen, Keimzelle der Entwicklung, aber von der Entwicklung selbst an die Peripherie gedrängt; im Südwesten ein Stadtteil, der, obwohl ursprünglich als Vorort angelegt, schon seit langem die Funktion der Innenstadt, des Stadtzentrums, übernommen, also der Altstadt den Rang abgelaufen hat; im Süden schließlich eine gutbürgerliche Wohngegend, durchsetzt mit Reihenhäusern und Villen.Zu beiden Seiten der Straßen, die nach Westen, Südwesten und Süden führen, dehnen sich die Vororte aus. Die Stadt kommt der Landeskrone sozusagen entgegen. Die in unserer Zeit errichteten Wohnblocks stehen hell vor dunklem Grund; sie heben sich deutlich von der niedrigeren und auch planloseren Bebauung früherer Jahrzehnte ab. Eindrucksvoll ist der Blick nach Südosten: Dort, im Stadtteil Weinhübel, an der Straße zu den Kraftwerken Völkerfreundschaft in Hagenwerder, deren Schornsteine von ferne grüßen, liegt das bisher umfangreichste Neubaugebiet von Görlitz. Wir haben es nicht zu bereuen, daß wir uns Görlitz zunächst einmal aus der Vogelschau betrachteten. Überhaupt bietet der Blick von oben dem, der eine Stadt kennenlernen will, bedeutende Vorteile: Das Gewirr