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Heinrich Bitsch - Giessen [antikvár]
 
An einem heißen Sommertag des Jahres 1866 - als sich in Deutschland der Kampf um die Vorherrschaft Preußens entschied - ereignete sich zu Gießen an der Lahn im Großherzogtum Hessen eine ergötzliche Geschichte. Auf das holprige Pflaster des Marktplatzes prallte die Sonne, imd von der nahen Stadtkirche läutete gerade die Mittagsglocke. Auch der dicke Gießener Bürgermeister Vogt erhob sich hinter seinem Schreibtisch im alten Rathaus imd griff zu Halbzyhnder und Stock, um nach Hause zu gehen. In diesem AugenbHck erscholl von draußen...
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Bővebb ismertető
An einem heißen Sommertag des Jahres 1866 - als sich in Deutschland der Kampf um die Vorherrschaft Preußens entschied - ereignete sich zu Gießen an der Lahn im Großherzogtum Hessen eine ergötzliche Geschichte. Auf das holprige Pflaster des Marktplatzes prallte die Sonne, imd von der nahen Stadtkirche läutete gerade die Mittagsglocke. Auch der dicke Gießener Bürgermeister Vogt erhob sich hinter seinem Schreibtisch im alten Rathaus imd griff zu Halbzyhnder und Stock, um nach Hause zu gehen. In diesem AugenbHck erscholl von draußen Pferdegetrappel. Eine forsche preußische Ulanenpatrouille saß ab und besetzte den Eingang des Rathauses. Dann polterte es auch schon auf der Treppe, und ein Ulanenleutnant in knapp sitzender, dunkelblauer Ulanka, mit der linken Hand den Säbel haltend, den Hehn scliief rechts auf dem Kopf, betrat den Raum. Stechende stahlharte Augen über dem Schnauzbart richteten sich auf den dicken Vogt: »Bürjemeister?« »Ja, Bürchermeister, - was woUe Se dann?« »Sofort Hafer, Heu, Stroh für Division - kommt hinter mir. Vorauspatrouille. Verstanden?« »Na, mache Se emal e bißche langsam, so einfach geht des ja aach net«, entgegnete der Bürgermeister Vogt. Rotblaues Anlaufen und tiefes Atemholen bei dem Preußen: »Wenn nicht sofortige Lieferung, dann Repressalien. Verstanden?« Gemächlich und genüßlich sah der dicke Vogt den forschen Leutnant von oben bis unten an: »Wisse Se, was Se sin? Se sin en ganz ungezochener Mensch! Ich geh jetzt haam zu meiner Fraa esse. Hawwe Se das verstanne?« Sprach's, setzte den Hut auf, nahm seinen Stock und verließ das Amtszimmer. Der sprachlose Leutnant erstattete Meldung, und der dicke Vogt wurde abgesetzt. Eine solche Geschichte aus dem lokalen Anekdotenkreis sagt mehr aus über die Gießener Wesensart als eine langatmige Einleitung. Was ist das also für eine Stadt ? Historisch, kunsthistorisch oder kulturhistorisch gesehen, gibt es in Hessen bedeutendere Städte als Gießen, - solche, die in der Sonne der Reichsfreiheit lagen wie Frankfurt oder die benachbarten Städte des Wetterauer Städtebundes wie Wetzlar imd Friedberg oder ehemalige Residenzstädte, teüs noch aus der Zeit des buntgescheckt gegliederten »Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation«, teils aus der nachnapoleonischen Restauration der deutschen »Staaten« des 19. Jahrhunderts vide Darmstadt, Wiesbaden oder Kassel. Solchen Zusammenhängen gegenüber, die trotz der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg bis in unsere Zeit hinein in mancherlei Hinsicht vrárksam geblieben sind, hat Gießen nur wenig aufzuweisen. Seine Stadtpersönüchkeit hat zwei tiefe Wurzeln in der hessischen Erde: Gießen war seit dem hohen Mittelalter eine landesherrliche Stadt der hessischen Landgrafen, bis in die napoleonische Zeit hinein von starken Festungswällen umgeben. Als Landesfestung hat es vor allem imter dem historisch bedeutsamen Landgrafen PhiHpp dem Großmütigen eine wichtige RoUe gespielt, dessen freundliches Fachwerkschloß noch heute den historischen Gießener Bezirk am Brandplatz belebt. Gießen war aber auch, bedingt durch die Erbteilungen nach dem Tode Philipps, welche die hessische Hausmacht zersplitterten, und bedingt durch die nachreformatorischen Glaubenskämpfe um die »reine Lehre« Landesuniversität der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die zur Zeit des Rlieinbundes von Napoleon Bonaparte zum Großherzogtum erhoben wurde. Auf diesen Grundlagen - Landesfestung und Landesuniversität - gilt es, die Stadtpersönlichkeit Gießens von heute zu begreifen: Die Festung ist verschwunden und wirkt nur noch mittelbar fort, weil sie die Grundlagen für das »Verwaltungszentrum« Gießen legte, aus den der Stadt verliehenen Märkten hervorgegangen, für das »Einkaufszentrum«, für die vielen Dienstleistungen im sogenannten tertiären Bereich. Die Universität aber lebt und ist direkt oder indirekt

Termékadatok

Cím: Giessen [antikvár]
Szerző: Heinrich Bitsch Wolfgang Arnim Nagel
Kiadó: Dr. Hans Peters Verlag
Kötés: Vászon
ISBN: 3876270251
Méret: 160 mm x 310 mm
Heinrich Bitsch művei
Wolfgang Arnim Nagel művei
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