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Von allen unseren Seen ist dieser wohl der berühmteste und sozusagen der älteste.
Rühmt er sich doch eines feurigen Crusses des Virgil, der in einem überaus eindrücklichen und der Wahrheit entsprechenden Vers enthalten ist:
F lue film et fremitu adsurgens Benace marino (i)
währenddem der Larius mit einem kurzen « te, Lari maxime » vorliebnehmen muss. Bekanntlich stammte Virgil aus dieser Landschaft und entspross einem Bauerngeschlecht, das in dieser durch den Mincio bewässerten Erde beheimatet war. Er musste den Benacus lieben wie seinen eigenen See, ja fast wie sein eigenes Meer.
Catull andrerseits kam aus einer angesehenen gens von Verona (der gens Vuleriu). Er begnügte sich damit, ihn zu rühmen als Folie und Hintergrund für sein liebliches Sirmio, wo er eine hübsche Villa besass.
Paene insularum^ Sirmio, insularumque Ocelle (2)
An diesen Auftakt an Glücksfällen der Dichtung schlössen sich andere an, die nun bei unserer raschen Umschiftung des Sees in Erinnerung gebracht werden sollen. Der grösste aller Glücksfälle liegt wohl in den berühmten Terzinen des 20. Gesanges des Inferno, vor allem in dem berühmtesten, dem einführenden Vers:
Suso in Ita lia bel la giace un laco (3)
Hier spricht Virgil als der Seelenführer, auf dem Abstieg mit Dante in die vierte Grube des achten Höllenkreises, wo sich die schlechtberatenen und übelzugerichteten Zauberer und Wahrsager befinden. Das Adverb snso (= droben) bedeutet nämlich « auf der Erdoberfläche », und schon beschattet die hoffnungslose Sehnsucht den antiken Dichter, der, auf ewig in das Halbdunkel der Vorhölle verbannt, niemehr das milde Licht der Sonne sehen darf. Darauf folgt gleich die genaue Angabe « in Italia bei la », im schönen Italien, wo das Beiwort «schön» (das gewöhnlichste und abgegriffenste, das es gibt) plötzlich aufleuchtet mit der ganzen Lichtstärke des italienischen Himmels. Da scheint sich Virgils Heimweh ganz
(1) O Benacus, der du auschwiUst und brausest wie das Meer
(2) Sirmio, o du Juwel unter Inseln und Halbinseln
auf jenen «laco» zu konzentrieren (den See an sich) und dann dem Fluss zu folgen, der aus ihm fliesst und sich durch die grünen Wiesen («verdi paschi») des mantuanischen Kulturlandes schlängelt. So offenbart sich das Wunderbare bei Dante und es wäre absurd, es erklären zu wollen. Es genügt, festzustellen, dass mit einem solchen Vers der Wert der Wirklichkeit ins Uner-messliche gesteigert wird (oder wie in diesem Fall die potentielle Schönheit eines Ortes), wenn sich ihm der geistige Wert grosser Dichtung zugesellt.
Der erste Eindruck dessen, der sich auf der erhöhten Terrasse von Desenzano befindet, ist der einer weiten Helligkeit, einer luftigen Sequenz festlich heiterer Ufer, die sich gegen Norden mit bläulichen Schleiern opaliner Melancholie bedecken.
Desenzano selbst, ein aus altem Hau-und altem Backstein erbauter Ort, fällt flach ab gegen das ruhige Wasser in seinem Hafen und bis zu den sanften Wellen, die die Uferpromenade bespülen.
Dem « barbarischen » Ohr des Professors Carducci, der hier in der Würde eines Examinators am Gymnasium von 1881 bis 85 wirkte, erschien dieser Wellenschlag dem Rhythmus und dem Versmass Catulls zu entsprechen. Doch als er dann, dem Druck der Examenpflichten enthoben, auch Catull beiseite gelegt hatte, schaute des Dichters befreites Auge aufmerksam auf das wundervolle Landschaftsbild, das sich vor ihm ausbreitete, und er entdeckte dem Ufer entlang die einfachen Wäscherinnen über ihrer Arbeit kniend. Es war ein dunkler Tag, doch verlor der Anblick nichts von seiner Schönheit, im Gegenteil, er gewann eine neue, wenn auch weniger strahlende, umso pathetischere.
« Der Benacus, mit Riva im Hintergrund zwischen den beiden Bergwänden, auf deren Gipfel feurige Blitze und dunkle Wolken in Form von Riesen erscheinen, und die dann langsam abnehmen und sich fast wie zu ihrem eigenen Vergnügen in kleine mit Reben und Oelbäumen bedeckte Hügel, in Lorbeerwäldchen und Treibhäuser mit ihren Guirlanden von Zitronenspalieren verlieren; hier liegt er, der See, zu meinen Füssen. Ueber der weiten Wasserfläche schwebt eine aschfarbene Traurigkeit: ab und zu ertönt der dumpfe Aufschlag von Fröschen, die ins Wasser springen Die Berge im Norden und Westen liegen in milchigblauem Nebel und verlieren die grossartige Bestimmtheit ihrer gigantischen Linien ».
(5) Droben ini schönen Italien liegt ein See,
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