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Goethes ElternhausSanta Casa", so nannte Wieland das Haus in Frankfurt, wo Goethe zur Welt kam und seine Jugendjahre verbrachte: das heilige Haus. Und wirklich muß Goethe dem älteren, aber für das Junge empfänglich gebliebenen Wieland fast wie ein Gott erschienen sein, als er mit sechsundzwanzig Jahren, von Frankfurt kommend, in den Weimarer Kreis eintrat. In Wielands Gedicht An Psyche" heißt es: Mit einem schwarzen Augenpaar, Zaubernden Augen voll Götterblicken, Gleich mächtig, zu töten und zu entzücken, So trat er unter uns, herrlich und hehr, Ein echter Geisterkönig, daher . . ." Und einen solchen Goethe glauben wir auch vor uns zu sehen, wenn wir etwa seine Rede Zum Schäkespears Tag" lesen, die er schon 1771 im Frankfurter Elternhaus hielt, ein Manifest der jungen Bewegung des Sturms und Drangs:Und ich rufe Natur! Natur! nichts so Natur als Schäkespears Menschen. Da hab ich sie alle überm Hals. Lasst mir Lufft dass ich reden kann!Er wetteiferte mit dem Prometheus, bildete ihm Zug vor Zug seine Menschen nach, nur in Colossali-scher Größe . . . und dann belebte er sie alle mit dem Hauch seines Geistes, er redet aus allen, und man erkennt ihre Verwandtschafft.Und was will sich unser Jahrhundert unterstehen von Natur zu urteilen. Wo sollten wir sie her kennen, die wir von Jugend auf, alles geschnürt und geziert, an uns fühlen, und an andern sehen . . ." Das ist Kritik an einem Jahrhundert, an der verstandesfrohen Aufklärung und am gezierten" Rokoko; und zugleich ist es Aufbruch aus diesem Jahrhundert in eine neue Epoche, die den Menschen ursprünglicher, als Natur" erfassen, ihm sein volles Wesen zurückgeben und Gefühl und Überschwang des Herzens nicht länger verleugnen wollte. Dieser Aufbruch, in Straßburg vorbereitet, vollzog sich in Frankfurt; hier begann das Geniewesen"; von hier gingen der Götz und der Werther aus; und bei einigem Glück können wir noch heute im Elternhaus am Hirschgraben etwas von der Gewalt dieses Aufbruchs spüren.Freilich, wir sehen zunächst ein festgegründetes Bürgerhaus des 18. Jahrhunderts, den großzügigen, wohleingerichteten Wohnsitz eines Patriziers. Johann Caspar Goethe, der Vater, Kaiserlicher Rat ohne Ausübung eines Amtes, hatte dieses Haus nach seinen Ideen erbauen lassen. So waltet hier der Geist eines Mannes, der, obwohl kunstsinnig auf seine Weise, dennoch allem Uberschwang abhold war. Und wenn wir zu dem besten Führer durch das Elternhaus greifen, zu Goethes Autobiographie Dichtung und Wahrheit", so ist bei aller Lebensfülle, die Goethe darin einfängt vom Stürmen und Drängen auch hier nichts mehr; Goethe hat diese Bücher aus seinem Leben viel später geschrieben, zu einer Zeit, wo er die Ausbrüche seiner Jugend gelegentlich in scherzendem Ernst gestammelten Halbunsinn nannte. Das Elternhaus mit den Augen dieses späteren Goethe und unter seiner Führung zu sehen, ist5