Bővebb ismertető
Maii solltc nicht mit dcm Flugzcug ankom-men, sagtc ichjahrelang mcincn auslandi-sclien Freunden wahrend dcr Fahrt vom Flughafen in dic Stadt. Spater, weise ge-wordcn, hörte ich damit auf. Nicht nur dcshalb, weil ich dahinterkam, daB mich, cgal mit welchcm Verkehrsmittel ich mich Budapest nahere, immer ciné ge-mischte Ansicht empfángt. Dic gleichcn dörflichen Tcile wechseln sich plötzlich mit dcn gleichcn Landschaftcn dcr industricllen Rcvolution ab, höchstens sind cs hier Rangierbahnhöfe und Bahnwar-tcrhauschen der Jahrhundcrtwende, dort besonders vom Schiff aus gut sichtbarc Briickenkonstruktionen aus dcr Zeit dcs Kaiscrs und Königs Franz Joscph und da, am Rande der Autobahnen, leere Gasbehalter und GicBcrcien. Dic Einfallstraflen sind nirgends, ausge-nommen viel glücklichere GroBstadte, feierliche Avcni-den, doch, wie erwáhnt, nicht deshalb gab ich meine Gegenpropaganda auf.
Sondern deshalb, weil ich in diesen optisch ungleichen StraBen eine gutc Portion geschichtspadagogischen Funktionalismus cntdeckte. Wic jeder Funktionalismus gcfállt auch dicsér sichcr vielen nicht, er ist utilitar und wenig harmonisch, aber wie jeder Funktionalismus wahr: Er zeigt das Wesen der Stadt.
DaB námlich aus dieser 5000jáhri-gen Siedlung die industrielle Re-volution eine Metropole machte. DaB die Zwei-Millionen-Haupt-stadt auch heute so ist, wie sie wahrend des vergangenen Jahr-hunderts geplant und erbaut wur-de. Menschen, so ist in jedem Rei-sefiihrer zu lesen, wohnen hier seit Jahrtausenden, und dic stadtebau-liche Zivilisation, die uns Monu-mente und Mauern übcrlieferte, ist gerade zwei Jahrtauscnde alt. Auch in den seit dcm Ersten Welt-kricg vergangenen 75 Jahrcn ent-standen Stadtvicrtcl. Doch gibt es zwischen der Podmaniczky und der Bulcsú utca eine kleine FuB-gángerunterführung, dic man um-gangssprachlich seit 115 Jahren Tunnel nennt und ohnc die man auch heute nicht von dcr cinen auf dic andcrc Scitc dcr altesten Eisenbahnschiencn der Stadt gelangen kann. Dcr Tunnel ist eng, dunkel und schmucklos wie jede praktische Anlagc sciner Zeit, doch auch heute noch uncntbehrlich. Dcr Tunnel ist deshalb Wirklichkeit und Symbol. Denn es kann sein, daB das heutigc Budapest cin biBchcn mehr von seinem Erbc lebt, als es sich schickt, und es ist sichcr, daB glücklichere Stadte in
dieseni Jahrhundert mehr dafür ausgaben, das vorige Jahrhundcrt vcrschwinden zu lassen. Der Fakt blcibt jedoch Fakt: Das heutige Budapest wurde von dcn 1840cr Jahren bis zur Jahrhundcrtwende geboren, nach ziemlich schmerzhaftem Hin und Her. Nicht nur deshalb, weil man im vergangenen Jahrhundert mit dem ZusammenschluB von Buda, Óbuda und Pest dcn Namen und auch dcn Begriff formte. Kompli-zierteres, Hcroischeres und Hinfálligeres als die Vercini-gung dieser drei Stadte bewirkte man, als in der Mittc des Landes die Hauptstadt crrichtet wurdc. Es wurden Brücken und Kanalisation gebaut, ein Zirkus crrichtet, man schuf Mietskasernen, Proletaricrclcnd und Prunk -spater und deshalb hastiger und fieberhafter als in andc-ren europaischcn Hauptstadtcn. Diese Epochc wuBtc nicht, daB, wenn ihr Wcrk, dic Hauptstadt, fertig wür-dc, das Land zwei Drittcl seincs Tcrritoriums verlicrcn würdc. Sclbstvergessen (unbcwuBt? selbstgcfállig?) wurden so drei Landnester zu einer einzigen GroBstadt um- und zusammengebaut, um ein Zentrum der Ver-waltung, der Wirtschaft und des Geisteslebcns sowie einen Vcrkehrsknotenpunkt zu schaflfen. Nicht Budapest kann dafür, daB es, als es als Komposition vollendet war, infolge ciniger Kriege, Rcvolutionen und Frie-densvertrage plötzlich unproportioniert und ctwas anachronistisch wurde. Eine Zwei-Millionen-Hauptstadt in einem Zehn-Millionen-Land ist ebenso ein Kuriosum und eine Ab-surditat wie das Zusammen-schrumpfcn eines Landes auf cin Drittel. In anderen Epochen daucr-te es Jahrhunderte, ehe die unzcit-gemáB gewordenen Residenzstad-te, Reichshauptstadte und Han-delszentrcn sich auf ein passendes MaB verkleinerten, stiller wurden oder nur in ihrer Entwicklung ste-henblieben, die Grundmauern dicsér Stadt jedoch habén moderne Geschichtc und Wirtschaftsge-schichte nur angegriffen, nicht vernichtet. So konnte sie weder zur Kleinstadt werden noch in einen Dornröschenschlaf sinken oder verknöchern, umsonst ver-ringerte sich ihre Umgebung so drastisch. Die gut funktionierendc Maschincrie gelang so vollkommcn und hatte so eine Drehzahl, daB sie auch spater nicht stchenblieb; als wíire sie sclbsttatig geworden, funktionierte sic weiter. Budapest und einzelne Landestcilc erwiesen sich zeit-weise als unvereinbar, als inkompatibel - wie die Com-puterfachleute sagen würden. Versuchen wir nicht, die Funktionsstörung zu verschweigen, denn, wie schon erwahnt, nicht Budapest kann dafiir. Als Ungarns erste