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An den Quellen
Des Menschen Seele gleicht dem Wasser vom Himmel kommt es zum Himmel steigt es.
(Goethe)
Hoch oben irgendwo hat die Bode in den dicht bewaldeten Bergen, auf denen Reste alter Burgen träumen, ihren sagenumwobenen Geburtsort.
Die Bode ist zweifellos das bekannteste und wohl auch wildeste Kind des nördlichsten Mittelgebirges unserer Heimat. Dessen höchster Berg mußte es sein, der aus der norddeutschen Tiefebene aufragt, ein gewaltiger Brocken, eben der Brocken, aus dessen oberen Tiefen ihre ersten Wasser sprudeln.
Der alte Granitklotz wurde zur Winterszeit erstmals an einem sonnenüberglänzten Schneetag, am 10. Dezember 1777, von Johann Wolfgang von Goethe in Begleitung des Harzer Försters Degen erstiegen. Für damalige Zeit eine Wundertat! Des Dichters Tagebuch sagt darüber aus:
»Den 10. früh nach dem Torfhause. Ein Viertel nach eins oben, heute herrlicher Tag, rings die ganze Welt in Wolken und Nebel, oben alles heiter. Was ist der Mensch, daß Du sein gedenkst? Um vier wieder zurück.«
Der Brocken wurde Goethes Lieblingsberg, dem er mit seinem bedeutendsten Werk, dem Faust, ein Denkmal setzte. Den Bergriesen ansprechend, sagt der Große aus Weimar:
»Du stehst mit unerforschtem Busen geheimnisvoll offenbar über der erstaunten Welt, und schaust aus Wolken auf ihre Reiche und Herrlichkeiten, die aus den Adern Deiner Brüder neben Dir wässern.«
Zur Winterszeit gleicht der Brocken einer arktischen Wildnis. Der Lenz jedoch, der bereits die Talauen des Gebirges mit seiner Lieblichkeit entzückt, verformt allmählich die Schneemassen zu reißenden Wildbächen.
Der Sommer zaubert Blumenkinder alpiner Welten hervor und läßt sie unter glutenden Sonnenstrahlen ihr kurzes, schönes Leben verblühen.
Der Herbst dagegen überschüttet mit Regengüssen und, Schneeschauern den mächtigen Thron Urians, des Oberteufels. Der steinerne Sessel auf der Höhe erhielt den Namen »Teufelskanzel«, einen Herrscherthron wollte man dem Gehörnten ungern zugestehen.