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VORWORT
D.
'as vorliegende Buch beschreibt die Geschichte des europäischen Kostüms. Ausgangspunkt ist die Entwicklung der Kleidung in der Steinzeit, es schließt sich an die Darstellung der griechischen und römischen Tracht sowie der Kleidung der außerhalb der antiken Hochkulturen lebenden keltischen und germanischen Völker. Es wird ge= zeigt, wie nach dem Untergang des Römischen Reiches aus der Verschmelzung »antiker« und »barbarischer« Trachtenelemente die mittelalterliche Tracht West= und Mitteleuro= pas hervorging und schließlich die Kleidungsformen der Neuzeit entstanden, die sich unter vielfältigen Wandlungen über ganz Europa verbreiteten und sogar in überseeischen Ländern üblich wurden.
Dabei wird versucht, mit dem historischen Überblick gleichzeitig die gesellschaftlichen Ursachen der Kostümentwicklung aufzuzeigen, das heißt die Geschichte des Kostüms in unmittelbarer oder mittelbarer Abhängigkeit von der allgemeinen historischen Entwick= lung derjenigen Länder und sozialen Schichten zu sehen, die das kulturelle Gesicht und damit auch die Entwicklung der Mode einer Epoche maßgeblich bestimmten. Da in der Klassengesellschaft die jeweils herrschenden Schichten im wesentlichen zugleich auch modisch tonangebend waren, steht zwangsläufig bis an die Schwelle der Neuzeit im Mittelpunkt unserer Betrachtungen nur ein Teil der Kostümgeschichte, wenn wir hier= unter die Geschichte der Kleidung aller Zeiten, Völker und Volksschichten verstehen. Neben dieser Geschichte der Mode aber wird auch ein Abriß der Geschichte der Kleidung der arbeitenden Schichten gegeben und gleichzeitig versucht, deren Bedeutung für die Mode darzustellen, das heißt nachzuweisen, wie mit der politischen Bedeutung der Volks= massen auch deren Einfluß auf die Mode ständig wuchs, bis sie heute im wesentlichen zum Träger der modischen Entwicklung geworden sind.
Die Geschichte der Kleidung ist so alt wie die Geschichte der menschlichen Kultur. Als durch die ersten Arbeitsprozesse der entscheidende Schritt vom Tierzustand zur Mensch= werdung vollzogen worden war, als der Mensch einfache Geräte herzustellen und Feuer zu entfachen verstand, ging er schon früh dazu über, sich Kleidung zu schaffen. Er unter= schied sich auch damit vom Tier; denn das Tier ist wohl fähig, sich eine mitunter recht kunstvolle Wohnung zu bauen, produziert aber niemals auch nur die primitivste Form einer Kleidung. — Die älteste Kleidung dürfte aus dem Fell erlegter Tiere und aus Blät= tern, Binsen und Basten bestanden haben. Schon sehr bald begann der Mensch diese