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VORWORT
l'ür eine kurze Spanne Zeit ist hier versucht, was für die gesamte Kostümgeschichte geleistet werden sollte: die äußere Erscheinung einer Epoche im Spiegel ihrer Kunst zu geben, aufrichtig aber ohne die Schärfe oder Verzerrung, die bisher fast stets in Kostümgeschichten beliebt worden ist. Denn nicht die Kuriosa und Absonderlichkeiten in dem Bilde früherer Zeiten sollte man suchen, sondern das Typische, Normale und gesetzmäßig Entwickelte der Tracht. Diese Sammlung von chronologisch angeordneten Illustrationen will im Verein mit dem Text ein Bild von Empfinden und Gehaben einer Epoche geben. Wer sich damit vertraut machen kann, wird auch für die unserem Gefühl widersprechenden Formen der älteren Moden nicht die besser wissende Kritik und den Spott erübrigen können, in denen lange Zeit das Interesse an diesem Teil der Kulturgeschichte sich erschöpft hat. So wurde hier versucht, neben der Mode die geistige Erscheinung der Zeit anzudeuten und zugleich soviel wie anging von der Szenerie des Lebens in Wohnungen, Möbeln, Gärten zu zeigen, kurz die Kunst als Zeugin für das gesamte Leben anzurufen. Denn die Maler sind die unbefangensten und zuverlässigsten Schilderer.
Noch ein Vorteil bot sich hier, der für die meisten früheren Epochen fehlt: wir wissen aus Modebildern, was für die Kleidung gewünscht und erstrebt wurde, nicht immer von einer Meisterhand wie Gavarnis aufgezeichnet, aber wenn auch ungeschickt, so doch handwerkstechnisch aufs klarste ausgesprochen. Und zu diesem von der Schneiderphantasie entworfenen Idealbild geben uns die Maler das Korrektiv im Leben. Zeigen die Modebilder, wie nach dem Wunsche der Kleiderkünstler die Menschen aussehen sollten, so stellt die Kunst in ihren Bildern neben dies Ideal die Wirklichkeit.